Fütterung 

Futtereffizienz im Transit

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass überkonditionierte Kühe eine scheinbare bessere Futtereffizienz haben, als normal konditionierte. Was steckt dahinter?

Fütterungskosten machen 60% der Produktionskosten in der Milchkuhhaltung aus. Darum ist die  effiziente Nutzung von Futtermitteln nicht nur aus ökonomischen Gründen sinnvoll, sondern auch ein Beitrag zur Ressourcenschonung und Verringerung des CO2-Fußabdruckes.

Möglichkeiten, die Futtereffizienz zu beurteilen

- Gross feed efficiency (GFE): Energiekorrigierte Milchleistung / Trockenmasseaufnahme (kg/kg)
- Energy conversion efficiency (ECE): Energie (Milch) / Energieaufnahme (Futter) (MJ/MJ)
 Metabolic efficiency (MEff): Energieaufnahme- Energie Milch /metabolisches Körpergewicht
- Income over feed cost (IOFC): Differenz Einnahmen aus Milch – Futterkosten (Euro)
Jede Kuh durchläuft nach der Abkalbung eine negative Energiebilanz (NEB). Wichtig für die nachfolgende Gesundheits- und Leistungsentwicklung des Tieres ist die Ausprägung der NEB. In dieser Phase wird körpereigenes Fett eingeschmolzen (Fettmobilisation). Das stammt aus dem sichtbaren subkutanen Fettgewebe, aber auch aus den abdominalen Fettdepots, die äußerlich nicht sichtbar, aber doppelt so groß sind wie zu zuerst genannten.  
Wissenschaftler Dr. Jürgen Rehage, seit November 2020 Vizerektor für Lehre und klinische Veterinärmedizin an der Vetmeduni Vienna, stellte darum folgende Hypothese auf: Die berechnete Futtereffizienz (Energie) resultiert in der Frühlaktation zu nicht unerheblichem Anteil aus der Fettmobilisation als Reaktion auf die negative Energiebilanz.
In einer Studie untersuchte er, ob ein Zusammenhang zwischen den subcutanen und abdominalen Fettdepots und der Futtereffizienz p.p. besteht. Der Versuch wurde am Institut für Tierernährung, FLI Braunschweig bei 31 Kühen durchgeführt. Der Versuchszeitraum begann 42 Tage a.p. und endetet 70 Tage p.p. Dabei wurden folgenden Leistungsdaten erhoben: Trockenmasse- und Energieaufnahme, Milchmenge, Fett- und energiekorrigierte Milch, Energiebilanz und die Futtereffizienz (GFE). Mithilfe von Ultraschall wurde die subcutanen und abdominalen Fettdepots (SCAT)an vier Terminen in der Versuchslaufzeit gemessen.

Fette Kühe scheinen futtereffizienter

16 Kühe wurden in die LOW SCAT-Gruppe (Niedrigere/normale  Körperkondition) und 15 Kühe in die HIGH SCAT-Gruppe (überkonditioniert) Gruppe eingeteilt. Die überkonditionierte Kühe zeigten im Vergleich zu normal konditionierten Tieren:
  1. ·       Gleiche TM-Aufnahmen und Milchleistungen
  2. ·       Höhere Milchfettgehalte, höhere NEFA Werte
  3. ·       Höhere energiekorrigierte Milchleistung (ECM)
  4. ·       Stärkere Fettmobilisation (Konditionsverlust)

Überkonditionierte Kühe bauen verhältnismäßig viel Körperfett ab und haben dadurch höhere Milchfettwerte.   (Bildquelle: Weerda )

Die negative Energiebilanz der LOW SCAT-Gruppe Tiere dauerte vier Wochen und die der HIGH SCAT Gruppe acht Wochen. Die Futtereffizienz (kg ECM/kg DMI) war bei den überkonditionierten Tieren  besser als bei den Kühen mit niedriger Körperkondition. Die Datenauswertung zeigt weiterhin einen Zusammenhang zwischen Futtereffizienz und dem subkutanen Fettdepot in den ersten 4 Laktationswochen. In der 5.-10. Woche wurde zusätzlich auch abdominales Fett mobilisiert. Je mehr Fett mobilisiert wurde, desto besser war die Futtereffizienz. In der Folge hatten also überkonditionierte Tiere eine ausgeprägtere negative Energiebilanz bei gleichzeitig höherer Futtereffizienz.

Vorsicht bei der Zuchtwertschätzung

Der Wissenschaftler schlussfolgert, dass es offenbar funktionelle Unterschiede zwischen dem Unterhaut- und dem Bauchfett gibt. Die Futtereffizienz (Energie) erscheint derzeit kein geeigneter Parameter zur Beurteilung der Produktivität der Kühe in der negativen Energiebilanz. Der Parameter Futtereffizienz ist vor diesem Hintergrund für die Zuchtwertschätzung kritisch zu betrachten.
Quelle: Vortrag 11. Kremesberger Tagung, Live Stream am 11.3.2021

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