Prophylaxe

Gegen Sc. uberis impfen

Ein neuer Impfstoff verspricht die Mastitisrate deutlich zu senken und die klinischen Symptome zu verringern. Eine Feldstudie. 

Umweltstreptokokken werden bei Milchprobenuntersuchungen am häufigsten nachgewiesen. Sie können schwere klinische Mastitiden verursachen. Das erlebte auch der Betriebsleiter Ludger Alders aus Xanten, NRW. Er melkt 90 Kühe mit einer durchschnittlichen Herdenleistung von 9.700 kg und 250.000 Zellen/ml Milch. Seine HF-Herde wird im Laufstall mit Tiefboxen (Stroh-Kalk-Gemisch) und auf Tiefstreu gehalten. Die Haltungsform bietet viel Kuhkomfort, allerdings wird viel organisches Substrat eingesetzt, auf dem Umweltkeime gute Vermehrungsbedingungen finden. Um die Problemkeime vor dem Melken von den Eutern zu entfernen, werden die Kühe mit einem Milchsäure-Präparat vorgedippt. Nach dem Melken kommt ein jodhaltiges Dippmittel zum Einsatz. Das antibiotischen Trockenstellen erfolgt mit zusätzlichem Schutz eines internen Zitzenversieglers.

Aggressiver Sc. uberis-Stamm

Der Milchkuhbetrieb verfügt über eine vorbildliche Dokumentation der klinischen Mastitisfälle. Zudem wird von jeder Kuh, die mit Mastitissymptomen auffällt, eine Milchprobe ins Labor gesandt. Im Dezember 2019 lag die Mastitisrate bei 6% pro Monat und damit deutlich über dem empfohlenen Zielwert von 1 % Mastitiden/Monat. Die Laborergebnisse zeigten, dass die Hälfte aller positiven, bakteriologischen Befunde auf S.Uberis zurückzuführen ist. Der Betriebsleiter berichtete von schweren Krankheitsverläufen mit 41 Grad Fieber, stark verändertem Milchsekret (wässrig) und dem Festliegen von Kühen. Seiner Meinung nach nahm die „Aggressivität“ der Sc. uberis-Infektionen mit der Zeit zu.

Herdenimpfung

Auf Empfehlung seines Hoftierarztes entscheidet sich der Milcherzeuger seine Herde mit einem neu in Deutschland zugelassenen Impfstoff (Ubac) impfen zu lassen. Nach einer dreimaligen Grundimmunisierung im Abstand von vier Wochen folgten halbjährlich weitere Boosterungen. Mit dem Impfen wurde im Januar 2020 begonnen, die Grundimmunisierung war Anfang März 2020 abgeschlossen. Die erste Auffrischung erfolgte Ende August 2020. Ergebnis: Die Impfung führte zu einer Reduktion der klinischen Mastitisfälle um 38%. Die monatliche Mastitisrate verringerte sich von 6,0 auf 3,8% Mastitisfälle im Monatsschnitt. Auch bei den Laborbefunden zeichnete sich ein deutlicher Rückgang der S. uberis-Befunde ab (von 3,3 % Monat auf 1% pro Monat).
„Die Mastitisfälle sind viel weniger heftig und ich muss deutlich weniger Arzneimittel einsetzen.“
Milchkuhhalter L. Alders, NRW

Ökonomie. Impfen lohnt  sich 

Die Impfkosten variieren je nachdem, ob der Landwirt mit Ausnahmegenehmigung selbst impft oder der Tierarzt. Nehmen wir an, Impfstoff und Impfung kosten 10 Euro pro Kuh, dann kostet die Grundimmunisierung 30 Euro, hinzukommen weitere 20 Euro pro Kuh und Jahr für die Aufrechterhaltung des Impfschutzes. Bedenkt man, dass eine klinische Mastitis bis zu 400 Euro pro Kuh kosten kann (Milchausfall, erhöhte Abgangsrate und Tierarztkosten mitberücksichtigt), so zeigt sich, dass sich die Impfung durchaus lohnt.

Epidemiologie sc. uberis

Besonders viele Sc. uberis Erreger findet man in der Boxeneinstreu und auf Liegeflächen. Das allein reicht aber nicht, um die Mastitis auszulösen. Mindestens genauso wichtig sind Zitzenkonditionsmängel und eine schlechte Abwehrlage der Kuh. Fütterungsfehler und Stoffwechselstörungen beeinträchtigen diese und führen vor allem in der Trockenstehphase zu Infektionen mit Umwelterregern. Nach dem Melken ist der Zitzenkanal noch eine Zeit lang geöffnet. Hier können Predipping und schnelltrocknende Dippmittel nach dem Melken das Euter eine gewisse Zeit vor dem Eindringen von Umwelterregern schützen. Das Einfangen im Fressgitter nach dem Melken kann in Problemfällen empfehlenswert und hilfreich sein, um diese Risikoperiode zu überbrücken. Streptococcus uberis-Infektionen führen zu klinischen und subklinischen Mastitiden. Fast die Hälfte (45 %) der Infektionen mit Umweltstreptokokken heilen spontan wieder ab. Die Heilungsraten sind von der Abwehrlage der Kuh und der Therapiedauer abhängig. Der antibiotische Wirkstoff der ersten Wahl ist Penicillin. Bei Kühen mit schwacher Immunabwehr kommt es häufig zu Rückfällen.

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