Tierzucht

Gesund, robust und thermotolerant

Diese Zuchtziele erklärt die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. (DGfZ) als Voraussetzung für eine lange Nutzungsdauer von Milchkühen. Das geht aus einem neuen Positionspapier hervor.

Die DGfZ-Projektgruppe „Zukunft gesunde Milchkuh“ hat ein Positionspapier mit dem Ziel veröffentlicht, Einflussfaktoren auf eine nachhaltige und zukunftsfähige Milchviehhaltung zu diskutieren, zu bewerten und notwendige Strategien abzuleiten. Denn die große Herausforderung für Wissenschaft, Praxis und Beratung bestehe darin, die aktuellen Haltungssysteme so weiterzuentwickeln, dass die Aspekte der Tiergesundheit, der Leistungsfähigkeit, der Ökologie, der Ökonomie und der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen mit dem Ziel der gesellschaftlichen Akzeptanz bestmöglich in Einklang gebracht werden.

Nutzung der Gesundheitsmerkmale für die Zuchtwertschätzung

Die Entwicklung und Nutzung von SNP-Markerinformationen, also die genomische Zuchtwertschätzung (Genomics), hat die Tierzucht ab 2008 grundlegend verändert. Sie ermöglicht es, Rinder genetisch bereits im Kälberalter zu typisieren noch bevor sie eigene Leistungen erbringen. Seitdem hat sich die Gewichtung des Gesamtzuchtwerts verändert, der sich dann aus den relativen Zuchtwerten Milch, Exterieur, Zellzahl, Nutzungsdauer, Zuchtleistung, Töchterfruchtbarkeit und Kalbemerkmale zusammensetzte.
Seit 2019 werden für insgesamt 13 Gesundheitsmerkmale Zuchtwerte geschätzt, die in die vier Hauptkategorien Mastitisresistenz, Klauengesundheit, Reproduktion und Stoffwechselstabilität eingeordnet werden. Für die nahe Zukunft steht zudem die Etablierung von Zuchtwertschätzsystemen für die Merkmale Futteraufnahmevermögen und Futtereffizienz im Vordergrund. Dabei gehen neben Tierwohl und Wirtschaftlichkeit auch Umweltfaktoren wie Emissionsminderung, Klimawandel und Rationsgestaltung in die Überlegungen zur Futterwirtschaft ein.

Freiwillige Wartezeit verlängern

Als neues Betriebskonzept steht die Verlängerung der Zeit von der Kalbung bis zur ersten Besamung in der Erprobung. Erste wissenschaftliche Untersuchungen ergaben unter anderem:
  • eine bessere Persistenz der Milchleistung 
  • eine deutlich höhere 305-Tages-Leistung
  • einen um 50% höheren Erstbesamungserfolg
  • ein reduziertes Gesundheitsrisiko 
  • geringere Abgangsraten durch weniger Kalbungen im Leben bei den Kühen, bei denen erst nach 180 Laktationstagen mit der Besamung begonnen wurde
Zudem würde sich eine Reduktion der Anzahl geborener Kälber pro Jahr positiv auf den Wert des Einzelkalbes auswirken. Allerdings muss bei den Kühen insbesondere auf die Gefahr der Verfettung geachtet werden.

Was beeinflusst die Nutzungsdauer und Tiergesundheit?

Fazit: Das DGfZ-Positionspapier sieht insbesondere die starke Selektion der Nachzucht sowie die Verlängerung der Freiwilligen Wartezeit sowie aufmerksames Hygiene- und Haltungsmanagement als geeignete Strategien zur Verlängerung der Nutzungsdauer von Milchkühen. Als Voraussetzungen für den Erfolg werden die Festlegung der Zuchtziele, eine Fütterungsstrategie, das Aufzuchtmanagement und die Optimierung der Haltungsbedingungen genannt.
Die Arbeitsgruppe aus Landwirten, Tierärzten, Wissenschaftlern und Züchtern bezweifelt, dass Zucht auf geringere Milchleistung automatisch zu einer besseren Tiergesundheit führt. Sie sieht in der Einführung von neuen gesundheitsbezogenen Merkmalen sowie der Nutzung genomischer Informationen eine besser geeignete Maßnahme, auf züchterischem Wege die Nachhaltigkeit der Milchproduktion zu verbessern.

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