Diagnostik

Hightech & Know-how im Praxislabor

Die neue TÄHAV fordert mehr Diagnostik, wenn es um antibiotische Behandlungen geht. Wir zeigen Ihnen, wie die Tierarztpraxis Dr. Georg Eller in Hofheim auf diese Neuerungen reagiert hat.

Die Tierärztliche Hausapotheken-Verordnung fordert gute fachliche Praxis, wenn es um die Diagnostik am Tier geht. Vor allem dann, wenn zur Behandlung Antibiotika eingesetzt werden, müssen Erregernachweise und Antibiogramme vorliegen. „Kommt es zu einer Kontrolle der Veterinärbehörden im landwirtschaftlichen Betrieb, wird fast immer nach Befunden gefragt“, erklärt Dr. Georg Eller. Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung hat sich deshalb das Probenaufkommen in den Praxen deutlich erhöht.

Fütterung, Diagnostik und Therapie

In der Tierarztpraxis von Dr. Georg Eller in Franken (BY) wird ein ganzheitlicher Beratungs- und Therapieansatz verfolgt. Das bedeutet, dass Tiermedizin, Fütterungscontrolling und Labordiagnostik aus einem Haus kommen. Schnelle Ergebnisse (ohne Postweg) aus dem Labor sind für so ein System vorteilhaft. Auf die Anforderungen der TÄHAV hat die Praxis reagiert, indem sie in das eigene Labor in Sachen Know-how und neuer Diagnose-Technik (Real Time PCR) investiert hat. Dort arbeiten inzwischen fünf Mitarbeiterinnen, davon eine Mikrobiologin, an sieben Tagen in der Woche. Die umfangreichen, genauen Tests im Labor führen zu mehr rechtlicher Sicherheit (für Landwirte und Tierärzte) hinsichtlich der Beachtung der Diagnosevorschriften der Tierärztlichen Hausapotheken Verordnung.

PCR erkennt Erreger DNA

Die Abkürzung PCR steht für Polymerase-­Chain-Reaction (Polymerase-Kettenreaktion). Dabei wird DNA zum Beispiel aus Milchproben isoliert, spezifisch vermehrt und dann die Erreger fluoreszierend detektiert. Die PCR kann innerhalb von vier bis fünf Stunden die DNA von bis zu 16 Zielkeimen mit hoher Genauigkeit nachweisen.
Es gibt unterschiedliche PCR-Tests, je nachdem, ob es um die Erregererkennung bei Mastitiden, Kälbergrippe oder -durchfall geht. Die Interpretation der PCR-Testergebnisse ist anspruchsvoll, da DNA von lebenden und toten Erregern sowie Schmutzkeimen nachgewiesen werden kann. Die Aufgabe der Tierärzte ist es dann, einzuschätzen, welcher Keim pathogen war.

Ansteckende Keime ausschließen

In der Mastitis-Diagnostik werden in der Tierarztpraxis zwei Tests eingesetzt:
PCR-M4C (Fa. DNA Diagnostic A/S, DK): Der Test weist die vier wichtigsten ansteckenden Mastitiserregern nach: Mycoplasma bovis, Mycoplasma species, Staphylococcus aureus und Streptococcus agalactiae.
PCR-M4BDF (multiplex): Insgesamt zwölf Zielkeime können mit diesem Test nachgewiesen werden. Dazu gehören die bereits oben genannten ansteckenden Keime und zusätzlich Prototheken (Algen) sowie die Umwelterreger Streptococcus uberis, E. coli, Klebsiella und Enterococcus. Werden letztere nachgewiesen, gilt es, die Hygiene rund um die Kuh, in Liegeboxen und auf Laufwegen zu beurteilen. Auch die Stoffwechselgesundheit spielt bei diesen Keimen eine große Rolle, da sie die Abwehrkraft der Kuh behindern kann.
Beim Nachweis von Strep. dysgalactiae gelten alle Regeln zur Bekämpfung von ansteckenden und Umweltkeimen, da er beiden Gruppen angehört. Der Hautbesiedler KNS kommt häufig bei Färsen vor und kann subklinisch oder klinisch sein. Außerdem kann mit dem Test das ß-Laktamase-Gen nachgewiesen werden. Es wird auch das Penicillin-Resistenzgen genannt. Wenn es vorhanden ist, dann wirken keine ß-Laktam-Antibiotika (z. B. Penicilline und Cephalosporine).

Monitoring mit der Tankmilch-PCR

Wegen der hohen Genauigkeit ist die Tankmilch-PCR generell das geeignete Verfahren, um ein betriebsspezifisches Monitoring im Hinblick auf eine Zellzahlsanierung als Herdenproblem durchzuführen und den Status quo einer Herde unter Kontrolle zu halten. Ein Milchtank-Screening ist beispielsweise geeignet, wenn das selektive Trockenstellen eingeführt werden soll. Dafür wird fünf bis zehn Wochen lang der Tank auf ansteckende Keime untersucht. Wenn der Tank mehrere Wochen frei von ansteckenden Keimen ist, dann können Kühe bis 200.000 Zellen/ml ohne Antibiotikum, nur mit einem Zitzenversiegler, trockengestellt werden. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die sogenannte Startuntersuchung bei Einführung eines automatischen Melksystems (AMS). Da im Roboter Gruppen von ca. 50 Tieren mit nur einem Melkzeug gemolken werden, muss die Herde frei von ansteckenden Mastitiserregern sein. Sinnvoll ist beim laufenden Betrieb des AMS auch das monatliche Screening, ob die Herde auch Galt- und S. aureus-frei bleibt. Gegen ansteckende Keime hilft das Abar­beiten eines Mastitis-Kontrollplans: Melkarbeit und ­-hygiene, Melkreihenfolge, Euterkennzahlen, Therapie, antibiotisches Trockenstellen und Erfolgskontrolle.

Automatisierter Resistenztest

Was die PCR nicht kann, ist die Erstellung eines Antibiogrammes. Dafür steht in der Praxis ein anderes Gerät (Vitek 2, bioMerieux) zur automatisierten Identifizierung von Keimen anhand biochemischer Tests und Anfertigung von Resistenztests zur Verfügung. Resistenzen werden hier anhand der MHK-Bestimmung festgelegt. Die Keime werden vordifferenziert in gram-positiv, gram-negativ oder Streptokokken.  Ein Carrier wird mit einer Keimsuspension beladen und mit einer Identifizierungs- und Antibiogrammkarte in den Vitek gestellt.

Erreger werden vordifferenziert in gram pos. , gram neg. oder Streptokokken. Resistenzen werden hier anhand der MHK-Bestimmung festgelegt.  (Bildquelle: Weerda )

Das Ergebnis des Antibiogrammes liegt nach 8 bis 18 Stunden vor. Im Rindergrippe-Komplex kommt ein weiterer Test zum Einsatz. Der PCR-Test Pneumo 4 BV kann acht Zielkeime aus Lungen-, tiefen Nasentupfern oder Tracheal­spülproben nachweisen: Mannheimia haemolytica, Pasteurella multocida, Histophilus somni, Mykoplasma bovis, Parainfluenza, Coronavirus, BRSV und BVD/BHV1. Je nach Befund raten Tierärzte zum Beispiel zur antibiotischen Therapie (Bakterien) oder Impfprogrammen (Viren). Der Nachweis von BVD oder BHV 1 würde tierseuchenrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Mit den PCR-Ergebnissen stellt man die Impf- oder Behandlungsentscheidung auf medizinisch und rechtlich solide Basis, die auch einer möglichen Kontrolle standhalten. Kaufen Betriebe Kälber zu, kann die PCR helfen, den Eintrag von ansteckenden Mykoplasmen auszuschließen. 

Mehr diagnostische Proben

Seit der Neuerung der TÄHAV ist das Probenaufkommen gestiegen. In der Tierarztpraxis Dr. Eller hat man darauf reagiert, in dem das „normale“ tierärztliche Labor mit moderner PCR-Technik aufgerüstet wurde. Andere Praxen schicken ihre Proben weiter an spezialisierte Labore und arbeiten dann mit den ­Befunden. In den beiden Fällen ist wichtig, die Befundergebnisse mit Fachverstand zu interpretieren und die Dokumentationspflichten einzuhalten.

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