Sensoren

Kalbealarm: So schneiden die Abkalbesensoren ab

Automatische Abkalbesensoren senden eine Meldung auf das Smartphone, wenn die Kuh kalbt. Wie praxistauglich sind diese Sensoren? 

Schon frühzeitig Bescheid wissen, wenn eine Kuh kalbt – Sensoren machen es möglich. Die Praxistauglichkeit dreier Kalbesensoren hat die Arbeitsgruppe Digital Farming der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Milchkuhstall des Staatsguts Achselschwang überprüft:
  • smaXtec Bolus (smaXtec animal care GmbH),
  • Moocall (Moocall Ltd.) und
  • CalveSense (SCR by Allflex).

Johanna Pfeiffer

Redakteur

LfL Bayern

Markus Gandorfer

Redakteur

LfL Bayern

Thomas Angermeier

Redakteur

BaySG, Staatsgut Achselschwang

Kalbemeldung per Bolus im Vormagen

Der smaXtec Bolus überwacht die Gesundheit und erkennt die Brunst sowie Kalbung. Der Bolus wird der Kuh eingegeben und liegt im Vormagensystem, wo er konti­nuierlich Bewegungsaktivität und Körperkerntemperatur misst. Zudem erfasst er je nach Bolusversion auch den pH-Wert und das Wiederkauen. Zur Kalbung hin sinkt die Körpertemperatur der Kühe, bereits bis zu 48 Stunden vor einer Kalbung. So kann der Bolus die Kalbung nicht stundengenau, sondern langfristig vorhersagen. Der Kalbealarm des Sensors ist laut Herstellerangaben 36 Stunden gültig. Damit bleibt dem Herdenbetreuer genügend Zeit, die Kuh in eine Abkalbebox umzustallen.

Kalbemeldung per Sensor am Schwanz

Moocall und CalveSense werden am Schwanz einer Kuh fixiert. Sie erkennen die typischen Bewegungsänderungen des Schwanzes im Vorfeld einer Kalbung. Diese Änderungen treten erst in den letzten Stunden vor einer Kalbung ein. Die Kalbemeldungen dieser Sensoren sind deshalb als kurzfristiger einzustufen.
Die Meldungen werden wenige Stunden vor einer Kalbung ausgegeben, wenn ein bestimmter Wert der Bewegungsaktivität überschritten wird. Die Zeitspanne von der Meldung bis zur Kalbung variiert von Kuh zu Kuh, weil die Schwanzbewegung tierindividuell ist. Beim CalveSense wird nach zwei Stunden eine weitere Meldung ausgegeben, sofern die Bewegungsaktivität nicht abnimmt. Die Aktivitätsdaten werden an einen im Stall hängenden Kollektor weitergeleitet, welcher dann eine SMS oder einen Anruf an das Smartphone auslöst.
Der Moocall informiert bereits eine Stunde nach der ersten Meldung, sofern die Kuh weiterhin eine erhöhte Aktivität aufweist. Technisch meldet Moocall die Kalbung per integrierter SIM-Karte.

Ein Vergleich der drei Abkalbesensoren. (Bildquelle: Pfeiffer et al., 2020)

Herausforderung: Sensoren befestigen

CalveSense wird mit Klebstoff und Klebeband am Kuhschwanz angebracht. Der Sensor kann so mehrere Tage an der Kuh bleiben. Die Fixierung ist anfangs etwas zeitaufwendiger, wobei der Sensor dann aber zuverlässig über mehrere Tage am Schwanz der Tiere fixiert bleibt.
Moocall wird mit einem Ratschenverschluss plus Anti-Rutsch-Kissen am Schwanz befestigt. Wenn die Kuh nach einem Zeitraum von vier Tagen noch nicht gekalbt hat, muss der Sensor für einige Stunden abgenommen werden, damit sich keine Druckstellen bilden. Danach wird er erneut am Schwanz fixiert. Der Grat zwischen einer zu festen und einer zu lockeren Fixierung ist beim Ratschenverschluss recht schmal, weshalb das Fixieren des Moocalls am Schwanz als durchaus herausfordernd zu beschreiben ist. Denn ein zu lockeres Befestigen kann zu einem häufigen Abwerfen des Moocalls, ein zu strammes Befestigen zu Druckstellen führen. Bei beiden Sensoren braucht es etwas Geduld, bis man im Anbringen geübt ist.

Die drei Sensoren erkannten 85 bis 87 % der Kalbungen im definierten Zeitraum vor der Kalbung (Sensitivität). Damit ist die ­Früherkennung von Kalbungen aller Sensoren hinsichtlich der Trefferquote in etwa vergleichbar. (Bildquelle: Pfeiffer et al., 2020)

Vergleichbare Trefferquote

Ergebnis: Der smaXtec Bolus überzeugt durch am wenigsten falsch-positive Meldungen (Spezifität) und verfügt zudem über die Zusatzfunktionen Brunsterkennung und Gesundheitsüberwachung. CalveSense und Moocall melden eine Kalbung kurzfristig vorher, wenige Stunden vor der Geburt. Sie eignen sich daher z. B. in arbeitsintensiven Phasen oder nachts. Sie zeigen jedoch mehr falsch-positive Meldungen im Vergleich zu smaXtec. Für den Herdenbetreuer bedeutet dies, dass er häufiger aufgrund von Fehlmeldungen alarmiert wird. Es wird daher empfohlen, zusätzlich Kameras zur Überwachung des Abkalbebereichs zu installieren.
Quelle: Pfeiffer et al., 2020

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