Praxismanagement

Keine Angst vor der Digitalisierung

Tierärzte dürfen am Tier keine Fehler machen. Bei der Digitalisierung sollen sie dagegen experimentierfreudig sein und aus Fehlern lernen. Für Viele ein Spagat.

Praktizierende Tierärzte mögen keine PC- Arbeit und reagieren pikiert, wenn Patientenbesitzer schon von Dr. Google bestens informiert werden. Nur wenige sind an digitalen Lösungen in der Praxis und in der Außenpräsentation interessiert. Das zeigen aktuelle Studien.

Internetseiten oft nicht gut gemacht  

Die Präsenz im Netz hat erhebliche Einfluss auf die Außenwirkung der Praxis. Doch da ist noch viel Luft nach oben. Einer Untersuchung (BJO Dialogue, 2018) zeigte, dass: 
  •  28% der niedergelassenen Tierärzte im Netz nicht zu finden sind.
  • nur 22% aktuelle Tipps für Tierhalter auf der Seite haben.
  • nur 16 % persönlich und direkt per eMail zu erreichen sind.
  • nur 25% Inhalte audiovisuell (Video, Ton) vermitteln.
  •  84% keinen Facebook-Auftritt haben.
  •  98% auf der Website keine Basiskosten ausweisen.

Fast ein Drittel der praktizierenden Tierärzte ist gar nicht im Netz vertreten.  (Bildquelle: Screenshot  Internetseite  B. Becker)

Wo sind die Digitalexperten?

Eine Studie der Hochschule Anhalt untersuchte die digitale Kompetenz von Praktischen Tierärzten, Studierenden und Vertretern von Industrie und öffentlichem Dienst mithilfe eines Online- Fragebogens. Insgesamt konnten 492 Datensätze ausgewertet werden. Bei der Darstellung der Ergebnisse wurde die Digitalkompetenz in drei Stufen eingeteilt:
  • Digitalexperte (10% der Befragten), 
  • Digitales Mittelfeld (80%) und
  • Digitalkonservative (10%).

Studierende brauchen mehr Digitalkompetenz

Dabei zeigt sich, dass in Praxen und Kliniken nur wenige Digitalexperten vertreten waren (7% vs. 26% bei Industrievertretern). Vergleichsweiser höher war der Anteil von Digitalkonservativen (13% vs. 6% bei der Industrievertretern). Das legt den Verdacht nahe, dass digitale Technologien in der Tierarztpraxis nicht ausreichend genutzt werden. Industrievertreter und Dienstleister haben in ihren Arbeitsteams einen höheren Anteil an digital versierten Kollegen. Ein Blick auf die Hochschulen zeigt, dass auch hier wieder erwarten vergleichsweise viele (10%) digital konservative Studierende unterwegs sind.
Digitalkonservative zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei PC-Problemen lieber Freunde und Bekannte um Rat fragen und sich wenig Interesse an Weiterbildung in diesem Bereich haben.
Digitalexperten sind eigen initiativ und probieren einfach mal aus, googeln Fragen, nutzen YouTube-Tutorials und bilden sich im Rahmen von Schulungen fort.

Je älter die Tierärzte sind, desto geringer ist das Interesse an digitalen Lösungen und  die Digitalkompetenz.  (Bildquelle: Hünnies)

Ab 50 nimmt die Digitalkompetenz rasant ab

Die Digitalkompetenz ist bis zum 29. Lebensjahr durchschnittlich, im Alter zwischen 30 und 49 Jahren überdurchschnittlich und nimmt mit dem 50. Lebensjahr rasant ab. Die gute Nachricht ist, dass zwei Drittel aller Tierärzte sich mehr digitale Lernangebote wünschen und da machte dann das Alter keinen Unterschied.
Wir brauchen mehr eLearnings! BPT, Kammern und Tierärzte sollten das proaktiv angehen. Da besteht großer Nachholbedarf.
Niedergelassener Tierarzt, Digitalexperte
Hier geht es zum vet-consult-eLearning.
Beim Thema neue Schlüssel-Technologien (Künstliche Intelligenz) ist das Interesse der Industrievertreter deutlich ausgeprägter. Praktiker sind da vergleichsweise konservativ. Die komplette Studie finden Sie auf der Seite des Dessaues Zukunftskreises*.

Zwei junge Wissenschaftler stellten beim BPT ihre Studie zur Digitalisiserung vor.  (Bildquelle: Weerda )

Experimentierfreude und Fehlerkultur

Die Studie zeigt, dass eine digitale Kluft zwischen Praktikern und Industrie besteht. Für die Zukunftsfähigkeit der Veterinärmedizin ist eine digitale Mobilisierung nötig. Der Umgang mit Chancen und Risiken der Digitalisierung erfordert Neugierde, Lernbereitschaft und Experimentierfreudigkeit. Berufsverbände sollten Praxen bei der Digitalisierung unterstützen. Letztendlich sollte ein jeder etwas mutiger neue Digitalformate ausprobieren. Das Fehlermachen gehört dazu. Das dass Tierärzte nicht immer leicht fällt, ist nicht verwunderlich, denn am Tier gibt es keine Fehlerkultur.
Zukunft der Tierärzte aktiv gestalten
Der Dessauer Zukunftskreis* ist eine unabhängige Arbeitsgruppe bestehend aus Praktischen Tierärzten und Vertretern von Universität und Industrie.
Ziel der Arbeitsgruppe ist es, Zukunftsperspektiven und Lösungen für die Praxis zu erarbeiten.
Auf ihrer website finden Sie Leitfäden für die erfolgreiche Personalsuche, Tipps zur facebook Präsenz und Mitarbeitergesprächen. Der Arbeitskreis ist gut vernetzt mit der Hochschule Anhalt, an der in Sachen Digitalisierung geforscht wird.

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