Eutergesundheit

Keine Mykoplasmen zukaufen

Mykoplasmen verursachen vielfältige klinische Symptome im Kuh- und Jungtierstall. Eine wirksame Therapie gibt es nicht. Darum darf der Erreger auf keinen Fall in den Stall gelangen.

Mykoplasmen sind hochansteckend und mit Antibiotika nicht zu therapieren. Sie haben im Unterschied zu anderen Bakterien keine feste Zellwand, sondern nur eine cholesterinhaltige Membran. Zu den besonders euterpathogenen Mykoplasmenarten zählen:
  • M. bovis
  • M. californicum
  • M. bovigenitalium
Unter ihnen ist M. bovis besonders häufig als Bestandsproblem zu finden und dafür bekannt, sehr schnell sehr viele Euter anzustecken. Das liegt vor allem daran, dass sie keine Zellwand besitzen und somit den antibiotischen Wirkstoffen, die in die Zellwandsynthese eingreifen (β-Laktam-Antibiotika, Cephalo sporine), keine Angriffsfläche bieten. Im Genital- und Darmtrakts des Rindes können sie zur physiologischen Keimflora ohne Krankheitspotenzial gehören. Werden sie aber im Euter nachgewiesen, dann sind sie pathogen. Sie verbreiten sich oft unbemerkt im Bestand, bis ein Stressfaktor auftritt, der klinische Symptome provoziert.
Typische Stressoren sind beispielsweise die erste Kalbung von Färsen, Futterumstellungen, Überbelegung, häufiges Umstallen und Hitzestress. Therapieversuche mit Makroliden, Lincosamiden oder Chinolonen führen zu uneinheitlichen, meist unbefriedigenden Heilungsraten.

Mykoplasmen gelangen in den Betrieb durch Zukauf oder durch Mängel bei der Biosicherheit. Die therapieresistenten Bakterien infizieren Kühe und Kälber. Klinische Symptome treten immer dann auf, wenn ein infiziertes Tier gestresst wird (z. B. Geburt). (Bildquelle: Orb)

1 ml Milch kann 100 Kühe infizieren

Eine Infektion der Milchdrüse mit Mykoplasma bovis verursacht oft schwere Mastitiden. Das Milchsekret ist nicht wiederzuerkennen. Es scheint sandig, wässrig und rotbraun, manchmal grünlich. Es ist leicht mit dem Sekret einer schweren E. coli-Mastitis zu verwechseln. Im Unterschied dazu hat eine Kuh mit einer Mykoplasmenmastitis ein ungestörtes Allgemeinbefinden. Die Bakterien sind hoch ansteckend. Je Milliliter Milch werden über 10.000 koloniebildende Einheiten (KbE) ausgeschieden und die niedrigste infektiöse Dosis liegt bei 100 KbE. Einmal infiziert, springt die Infektion oft von Viertel zu Viertel und führt im Verlauf auch zur Viertelatrophie und Agalaktie.

Hohe Dunkelziffer

Da Mykoplasmen in der Milch nicht zur Routinediagnostik gehören, werden sie auch vergleichsweise selten gefunden. Dabei scheint die Infektion unabhängig von der Betriebsgröße zu sein. „Nur das Bewusstsein für Mykoplasmen ist höher in großen Betrieben und dementsprechend wird der Verdacht bei der Untersuchung eher ausgesprochen“, so Dr. Nebel vom Landeskontrollverband (LKV) Berlin- Brandenburg eV. Im Einzugsgebiet des LKVs lag die Zahl der Mykoplasmen-Erstnachweise im Jahr 2015 bei 2,6 % (Übersicht 1). In einem aktuellen Monitoring im Landkreis Weser-Ems wurde eine Herdenprävalenz von 1,5 % gemessen. In betroffenen Herden gibt es 1 bis 30 % ausscheidende Tiere (Untersuchung Krömker).
Die Intensität der Erregerausscheidung steht im direkten Zusammenhang mit der Stressbelastung der Tiere. Die Ausscheidung erfolgt dann in Wellen und breitet sich vor allem in Betrieben mit mäßiger Melkhygiene schnell weiter aus. Die Routinediagnostik bei der Milchprobenuntersuchung muss dann auf die Mykoplasmen-Untersuchung erweitert werden, wenn neben schweren auch nicht behandelbare Mastitiden auftreten. Zusätzliche Hinweise auf Mykoplasmen im Bestand geben auch Gesundheitsprobleme (z. B. Kälbergrippe, Gelenkentzündungen) im Kälberstall. Die Symptome im Kälberstall treten erfahrungsgemäß erst nach den Mastitiden auf (Übersicht 2).

Mykoplasmen im Bestand haben negative Auswirkungen auf Kühe und ihre Nachzucht. (Bildquelle: Greil)

Verdacht bei mehr Otitiden

Kälber können bereits mit dem Mykoplasmen-Erreger geboren werden. Sie sind dann lebensschwach und erkranken an Bronchopneumonie, Otitis oder Arthritiden. Husten und Nasenausfluss tragen dazu bei, dass die hochansteckenden Mykoplasmen im Kälberstall verbreitet werden. Erreger können auch an der Kleidung im Stall weitergetragen werden. Da auch hier die Infektion nur schwer bis gar nicht therapierbar ist, wachsen Färsen heran, die subklinisch mit Mykoplasmen belastet sind. Oft zeigen sich die klinischen Symptome dann, wenn sie erstmalig abkalben. Es kommt zu Aborten, Totgeburten mit anschließender Metritis oder eben zur akuten Mastitis.

Zukauftiere frei von Mykoplasmen

Beim LKV Berlin Brandenburg e. V. stehen beim Mykoplasmen-Verdacht zwei Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung:
  • Anzucht auf einem Nährboden innerhalb von acht Tagen. Da die Mykoplasmen-Kolonien sehr klein sind, wird der Nachweis mithilfe eines Mikroskops durchgeführt.
  • Die PCR wird dagegen eher für das Screening eingesetzt.
Für die PCR (Mykoplasmen, Galt, Staphylokoccus aureus u. a.) können Milchproben von bis zu zehn Kühen gepoolt werden. Die PCR-Ergebnisse liegen spätestens am nächsten Tag vor und können zum Beispiel bei Ankaufsuntersuchungen zum Ausschluss von ansteckenden Mastitiserregern eingesetzt werden. Insbesondere beim Zukauf von Kühen sollten diese auf Mykoplasmen untersucht werden, da eine Infektion durch unkontrolliert in den Bestand gebrachte Mykoplasmen durch positive Tiere weitreichende Folgen für die gesamte Herde hat. Mit der PCR-Methode ist eine schnelle Diagnostik möglich. Erst nach negativem Befund sollten die zugekauften Tiere in den Bestand integriert werden.

Ablaufplan für die Mykoplasmen-Sanierung

Bestätigt sich der Mykoplasmen-Verdacht im Labor, startet die systematische Sanierung mit dem Ziel der Erregerfreiheit:
1. Gesamtherdenuntersuchung (Viertelgemelke). 2. Positive Kühe werden gekennzeichnet, separiert und am Ende gemolken. 3. Sie werden nicht mehr besamt und so schnell wie möglich gemerzt. 4. Optimierung der Melkarbeit, desinfizierendes Dippen und Zwischendesinfektion. 5. Biestmilch nur von negativen Kühen oder tiefgefrorene aus der Kolostrumbank. 6. Acht Wochen später die zweite Gesamtherdenuntersuchung. 7. Die Sanierung endet, wenn die Herden zweimal negativ untersucht wurden. 8. Das Monitoring wird mithilfe von gepoolten PCR-Proben oder Viertelgemelksproben von therapieresisteten Mastitiden durchgeführt.

Mykoplasmen wachsen im Labor vergleichsweise langsam. Ergebnisse liegen dann erst nach einer Woche vor. (Bildquelle: Nebel)

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