Durchfall

Kryptosporidien: Schwer zu verhindern

Krankheitserreger wie Kryptosporidien werden in fast jedem Jungtierstall nachgewiesen. Je nach Abwehrkraft der Kälber erkranken sie mehr oder weniger stark.

Livia Bella Paul

Redakteur

Tierärztin (Borken)

Erste Anzeichen von Durchfall ist dünner, später wässriger Kot, der auch blutig sein kann. Die Kälber nehmen je nach Krankheitsgrad immer weniger Tränke auf und sind dann schnell unterzuckert, wenn sie nicht ausreichend mit Milch versorgt werden oder diese nicht mehr aufnehmen. Die Körpertemperatur reicht von Fieber (> 39,5 °C) über Normal- bis zur ­Untertemperatur (< 38,5 °C). In schweren Fällen liegen die Kälber mit eingesunkenen Augen fest und können nicht mehr selbstständig saufen. Schlimmstenfalls sterben sie ohne sichtbare, äußere Symptome an einer Blutvergiftung durch Bakteriengifte.

Erreger identifizieren

Kälberdurchfall gehört zu den typischen Faktorenkrankheiten. Zu den infektiösen Ursachen gehö­ren
  • Einzeller (Krypto­sporidien), aber auch
  • Viren (Rota- und Coronavirus),
  • Bakterien (E. coli, Clostridien) und
  • Kokzidien („Rote Ruhr“) bei Kälbern ab der dritten Lebens­woche .
Ein gesundes Kalb kommt mit einer geringen Menge Infektions­erreger zurecht. Kommt jedoch ein Stressfaktor hinzu, wird das Kalb krank.

Bei Durchfall ist eine Elektrolyttränke lebendnotwendig. Trotzdem wird weiterhin zusätzlich Milch bzw. Milchaustauscher getränkt. (Bildquelle: Weerda)

Elektrolyttränke ist lebenswichtig

Grundlage der Durchfall-Therapie ist die Zufuhr von Flüssigkeit, Elektrolyten, Puffersubstanzen und Energie (Milch). Je früher der Flüssigkeits­ersatz beginnt, desto besser sind die ­Heilungschancen. Sobald die ersten Anzeichen von Durchfall sichtbar werden, sollten anfänglich dreimal täglich zwei Liter Elektrolytlösung angeboten werden. Die Milchtränke kann zeitgleich auf mehrere kleinere Portionen (ein bis zwei Liter) verteilt werden. Bei wässrigem Durchfall brauchen Kälber mindestens fünfmal täglich zwei Liter Elektrolytlösung. Bei Ad-libitum-Milchtränke nur solche Elektro­lyttränken verwenden, die mit Milch kompatibel sind.
Beenden Sie die Elektrolytgaben erst, wenn die Kotkonsistenz wieder normal ist. Besonders Durchfallkälber brauchen Energie, deshalb muss Milch unbedingt weiter getränkt werden. Spätestens dann, wenn Kälber nicht mehr selbstständig saufen, ist der Tierarzt einzuschalten. Der ­zunehmende Austrocknungsgrad wird sonst schnell lebensbedrohend. Der Tierarzt hat die Möglichkeit, große Infusionsmengen zu ­verabreichen und so verlorene Flüssigkeit zu ersetzen. Wärmezufuhr (Rot­lichtlampe), trockene und saubere Einstreu sowie geduldiges Anregen zum Trinken unterstützen den Heilungsverlauf.
Eine Behandlung mit einem Anti­biotikum ist nur dann erforderlich, wenn der Durchfall bakteriell bedingt ist, das Kalb Fieber hat und eine zusätzliche Krankheit wie Nabel- oder Lungenentzündung diagnostiziert wird.

Kryptosporidien sind schon in kleinen Mengen sehr ansteckend. (Bildquelle: Orb)

1. Im Tier/Mensch: Kryptosporidien sind Protozoen, die im Magen-Darm-Trakt leben. Sie sind wenig wirtsspezifisch. Die pathogene Art Cryptosporidium parvum kommt auch beim Mensch vor.
2. Infektion: Die Infektion erfolgt oral. Die Sporozoiten schlüpfen in den Darmepithelzellen. Dort vermehren sie sich und befallen weitere Darmzellen. Anschließend werden Oozysten ausgeschieden.
3. In der Umgebung: Oozysten werden in der Regel ein bis zwei Wochen lang ausgeschieden, sind sehr ansteckend und nicht durch normale Reinigung und Desinfektion eliminierbar.

Kryptosporidien und Kokzidien

Beim Labornachweis von ­Kryptosporidien hilft die orale Eingabe von
  • Halofuginon (Halagon, Halocur, Kriptazen). Vorsicht! Das Arzneimittel hat eine geringe therapeutische Breite und muss exakt dosiert werden.
  • Sind Colikeime am Durchfallgeschehen beteiligt, kann Paromomycin (Parofor) unterstützend eingesetzt werden.
  • Hefekulturen (z. B. von SmartCare) können signi­fikant die Dauer und Schwere der Infektion mit Kryptosporidien senken.

Mithilfe eines Schnelltests können innerhalb von zehn ­Minuten die Infektionserreger nachgewiesen werden. (Bildquelle: Weerda)

Werden Kokzidien bei Absetzern oder zugekauften Kälbern im Kot nachgewiesen, dann helfen kokzidienwirksame Arzneimittel. Zu den Wirkstoffen gehören beispielsweise:
  • Diclazuril (Vecoxan, Diclazuril, Diacox);
  • Toltrazuril (Baycox bovis, Toltranil) oder
  • Sulfonamide (Bigram, Hefo trim, …).
Diclazuril und Toltrazuril sind auch zur Metaphylaxe zugelassen, d. h. sie werden bereits vor dem erwarteten Kokzidien-Ausbruch eingesetzt. Diese Behandlung soll verhindern, dass die In­fektion ausbricht oder zumindest die Symptome lindern.
Neben der Therapie ist in diesem Fall auch die Desinfektion der Kälberbereiche mit einem kryptosporidienwirksamen Desinfektionsmittel nötig.