Parasiten

Läuse: Es kribbelt und krabbelt

Besonders im Winter mögen Läuse feucht-warmes Klima im Kuhstall. Sie sind ernst zu nehmende Parasiten, die ansteckende Krankheiten wie z. B. Flechte übertragen können.

Gregor Gründer

Redakteur

Tierarzt IQ Vet

Struppiges, stumpfes und verklebtes Fell sind ein offensichtliches Anzeichen für einen starken Läuse­befall. Die Läuse wandern auf dem Wirt umher und ändern ständig die Bissstelle. Dadurch verursachen sie einen starken Juckreiz. Dieser kann zu erheblichen Leistungsminderungen führen, da betroffene Tiere unter extremer Unruhe leiden. Bei Kälbern kann ein Läusebefall zuweilen zu Blutarmut führen, bei schlecht ernährten Kälbern dadurch sogar zum Tod. Durch das ständige Scheuern entstehen haarlose Stellen auf der Hautoberfläche der Rinder. Diese können bei länger bestehendem Juckreiz zu Entzündungen führen. Hauptsächlich betroffene Körperstellen sind: Brust, Kopf und Hals, Schultern und Rückenlinie. Die Tiere beginnen dann, sich gegenseitig zu belecken, um den Juckreiz zu verringern.

Der Lebenszyklus der Laus

Besonders Jungrinder und Kälber sind bei Läusen beliebt. Sie werden über direkten Körperkontakt übertragen und können Flechte auslösen. Ein Generationszyklus der Laus dauert nur vier Wochen. (Bildquelle: Orb)

Blutsauger in feucht-warmem Klima

Bei Rindern kommen die Kurznasige Rinderlaus und die Langnasige Rinderlaus vor. Läuse treten besonders häufig im Winter auf, vor allem in der Laufstallhaltung und in feucht-warmem Stallklima. Günstig für Läuse sind bereits vorhandene Ektoparasitosen mit offenen Wunden, an denen sie zum Blutsaugen „andocken“ können. Auch Fütterungsfehler oder lange Haare der Tiere fördern einen Läusebefall. Unter günstigen Bedingungen können sich Läuse sehr schnell vermehren und nach ca. acht Wochen einen maximalen Befall erreichen.
Läuse ernähren sich vom Blut der Rinder. Außerhalb ihres Wirts können sie bis zu einer Woche überleben. Weil Läuse sich von Tier zu Tier bewegen können, sind sie ideale Vektoren für weitere Krankheiten, z. B. Rinderflechte. Bei der Behandlung eines Läusebefalls muss der gesamte Bestand einbezogen werden. Passende Wirkstoffe gegen Läuse sind z. B. Ivermectin, Moxidectin und Noromectin. Zusätzlich empfiehlt sich eine Reinigung und Desinfektion des gesamten Bereiches, den betroffene Tiere betreten haben und gründliches Reinigen der Kuhbürsten.

Läuse übertragen Krankheiten wie z.B. die Kälberflechte. Achtung, diese Krankheit ist ansteckend für Menschen! (Bildquelle: Weerda)

Läuse übertragen Flechte!

Sind Läuse erst einmal im Bestand, steigt das Risiko für das Auftreten weiterer Krankheiten, z. B. Flechte. Diese wird vom Pilz Trychophyton verursacht, der ähnliche Umgebungsbedingungen mag wie Läuse: feucht-warme, unsaubere Ställe, schlechter Ernährungszustand der Tiere. Weitere begünstigende Faktoren für einen Flechte-Ausbruch sind vorhandene Erkrankungen, Vitaminmangel und Überbelegung. Der Pilz lebt auf der Haut und dringt über offene Scheuerstellen in die Haarwurzeln ein, wo es zu einer starken Verhornung kommt. Besonders Kälber im ersten Lebensjahr ohne ausgebaute Immunabwehr sind betroffen. An Kopf und Hals entstehen ovale, haarlose oder ­krustige Stellen, die nicht jucken. Flechte ist auf den ­Menschen übertrag­bar. Hier sind besonders immunsuppremierte Menschen, Ältere und Kinder (Ferien auf dem Bauernhof) gefährdet. An Händen, Unterarmen und Gesicht bilden sich kleine gerötete, juckende Stellen, die sich ringförmig ausbreiten (Ringflechte). Um eine Ansteckung zu verhindern, sollten erkrankte Tiere nur mit Einmalhandschuhen angefasst werden.

Rinderflechte ist auf den Menschen übertragbar. Deshalb sollten erkrankte Kälber nur mit Einmalhandschuhen angefasst werden. (Bildquelle: Weerda)

Einzeltiere können auf den betroffenen Flächen mit Präparaten besprüht werden. Sind mehrere Tiere betroffen, bietet sich die Impfung an. Dabei immer die gesamte Gruppe impfen! Es stehen Lebendimpfstoffe und inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung (Tabelle 1). Geimpft werden können gesunde, infizierte und erkrankte Tiere, sodass sowohl Vorbeuge als auch Therapie durch Impfung möglich sind. Je nach Herstellerangaben sind neben der zweimaligen ­Grundimmunisierung im Abstand von 14 Tagen weitere Impfungen nötig. Der Impfschutz ist drei bis vier Wochen nach der Impfung ­belastbar.

Vorbeuge ist das A und O

Zur Vorbeuge von Kälberflechte empfehlen sich folgende Maßnahmen:
  • Grundimmunisierung aller Kälber und Jungrinder im Bestand durch vorbeugende Impfung. Danach Quarantänezeit von drei Wochen einhalten.
  • Neuzugänge (neugeborene Kälber, Zukauf) regelmäßig nachimpfen.
  • Kontakt zwischen gesunden und kranken Kälbern oder infizierten Stalleinrichtungen unterbinden.
  • Mit Frischluft und Licht für gutes Stallklima sorgen. Überbelegung vermeiden.
  • Auf guten Ernährungszustand achten, Vitaminversorgung durch Gaben von Vit. A, D und E verbessern.
  • Reinigung und Desinfektion der Kälberställe zwischen einzelnen Durchgängen.