Hitzestress

Mithilfe von Sensoren Hitzestress aufspüren

Mithilfe von Sensoren lässt sich die täglich die Steh- und Liegedauer der Kühe überprüfen. Abweichungen vom Mittelwert deuten auf vermehrten Hitzestress hin.

Neue Sensoren können mehr und messen die Dauer des Liegens und Stehens. Es stellte sich die Frage, inwiefern diese neben anderen Faktoren von Milchleistung und Temperatur beeinflusst wird. 
In die Auswertungen einbezogen wurden die Daten aus einem Praxisbetrieb und dem Oberen Hardthof (OH), dem Forschungsbetrieb der Universität Gießen.
Im Praxisbetrieb wurden von Januar bis Juli 2019 die Messdaten von 443 Holsteinkühen ausgewertet. Die Kühe wurden in einem Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen gehalten. Zur Boxenpflege wird ein Boxenplaner eingesetzt. Die Laufgänge sind planbefestigt ausgeführt. Das Tier-Liegeplatz-Verhältnis beträgt 1:1. Die Kühe werden mit sieben Melkrobotern (Fa. Happel) gemolken. Die durchschnittliche Herden-Milchleistung betrug im letzten Jahr 10.000 kg pro Kuh. Im Betrieb wird das Messsystem CowControl (Nedap) eingesetzt.
 Auf dem Oberen Hardthof wurden von August 2018 bis Juli 2019 die Daten von 35 Milchkühen (10.500 kg) erfasst und ausgewertet. Die Kühe sind in einem Zweiraum-Tieflaufstall mit eingestreutem Liegebereich und Spaltenboden am Fressgitter untergebracht. Hier kommt das System BayernWatch (Track a cow, ENGS, Rosh Pina, Israel). Erfasst wurden die tägliche Liege- und Stehdauer sowie die tägliche Milchleistung und die Außentemperatur.

Laktationsnummer und Milchleistung beeinflussen die Liegedauer

Im Mittel lagen die Kühe im Praxisbetrieb täglich 703 min (= 11,7 Stunden) und auf dem Hardthof 666 min (11,1 Stunden) in den Liegeboxen bzw. auf der Tiefstreu.
Im Praxisbetrieb wurde die Liegedauer von der Laktationsnummer beeinflusst – je älter die Kühe waren, desto länger lagen sie. Ebenso nahm die Liegedauer mit fortschreitender Trächtigkeitsdauer (gemessen als Laktationstag) zu. Hingegen verringerte sich mit steigender Milchleistung die Liegedauer der Kühe um bis zu 18 min täglich.
Im Juni stieg das Monatsmittel der Außentemperatur (gemessen an der 5 km entfernten Station des Wetterdienstes) gegenüber dem Vormonat fast auf das Doppelte an, von 11,4 auf 20,2 °C. Vor allem der Mittelwert der Maximaltemperatur war mit fast 27 °C sehr hoch. Während der Hitzeperiode lagen die Kühe eine Dreiviertelstunde pro Tag kürzer als in den anderen Monaten. Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt bei sehr leistungsstarken Tieren.
 Auf dem Oberen Hardthof wurde neben der Liegedauer auch die Zeit erfasst, in der die Kühe gestanden haben. Liegen und Stehen ergeben dort sensorbedingt immer 100 % (24 Stunden pro Tag).
Mit zunehmendem Alter der Kühe nahm die Dauer des Stehens von 12,50 auf 13,25 Stunden täglich zu. Im Gegensatz zum Praxisbetrieb lagen die ältesten Kühe demzufolge mit 10,75 h kürzer als die Erstlaktierenden (11,5 Stunden pro Tag).
Nicht ganz so deutlich war der Effekt der Milchleistung auf die Steh- bzw. Liegedauer. Im Mittel standen Kühe mit der höchsten Milchleistung täglich mit 13,2 Stunden rund 17 Minuten länger als Kühe mit dem niedrigsten Tagesgemelk (12,9 Stunden). Hier spielt die Aufenthaltsdauer am Futtertisch die entscheidende Rolle, denn die Futteraufnahmedauer und Stehdauer sowie die Milchleistung sind positiv korreliert. Je höher die Milchleistung ist, desto mehr Zeit verbringen die Kühe jeden Tag mit der Futteraufnahme (längere Stehdauer), desto weniger liegen sie.

Einfluss der Außentemperatur auf die Liegedauer

Tägliche Liegedauer der Kühe in Abhängigkeit vom Monat im Praxisbetrieb. Im Juni stieg das Monatsmittel der Außentemperatur gegenüber dem Vormonat fast auf das Doppelte an, auf 20,2 °C. Vor allem der Mittelwert der Maximal-Temperatur war mit fast 27 °C sehr hoch.

An heißen Tagen stehen Kühe länger

Die Tagesmitteltemperatur hatte keinen klaren Einfluss auf die tägliche Stehdauer, wohl aber das Tagesmaximum. Mit steigendem Maximum (der Außentemperatur) stieg die tägliche Dauer des Stehens von 12,8 Stunden im Mittel um eine Viertelstunde auf 13,1 Stunden, sofern das Tagesmaximum über 22,9 °C lag.
Deutlicher wird der Einfluss der Temperatur, wenn zugleich die Milchleistung berücksichtigt wird. Bei Kühen mit der geringsten Tagesmilchleistung und der niedrigsten Außentemperatur betrug die tägliche Stehdauer 12,4 Stunden, die Liegedauer demzufolge 11,6 Stunden. Kühe mit der höchsten täglichen Milchleistung und gleichzeitig bei der höchsten Temperatur standen durchschnittlich über eine Stunde länger (13,7 Stunden) bzw. lagen eine entsprechende Zeit kürzer.

Einfluss der Außentemperatur auf die „Stehzeiten“

Tägliche Dauer des Stehens der Kühe in Abhängigkeit von der Außentemperatur (Max.) unter Berücksichtigung von Milchleistung (> 36,2 kg/Tag).
Hochleistende Kühe erzeugen neben der großen Menge an Milch auch viel Wärmeenergie. Diese müssen sie an die Umgebung abführen. Offensichtlich gelingt ihnen das im Stehen besser als im Liegen. Im Liegen können sie nämlich wegen der wärmeisolierenden Einstreuschicht kaum Wärme an den Fußboden abgeben.

Fazit

Mithilfe von Sensoren lässt sich die täglich die Steh- und Liegedauer der Kühe überprüfen. Abweichungen vom Mittelwert deuten auf vermehrten Hitzestress hin. Bei einem deutlichen Anstieg der Stehdauer vor allem der hochleistenden Kühe sollte der Herdenmanager reagieren, weil das auf eine belastende Situation für die Tiere hinweist.
In diesem Fall sind alle Maßnahmen, welche die Wärmeabgabe der Kühe unterstützen, sinnvoll. So können Ventilatoren eingesetzt werden, die die Strömungsgeschwindigkeit im Tierbereich auf 1 bis 2 m/s erhöhen. Zusätzlich kann Wasser im Zuluftstrahl fein versprüht werden (Hochdruckbefeuchtung). Auch Kuhduschen können zum Einsatz kommen. Diese ab einer Stalltemperatur von 23 °C eingeschaltet werden (3 min Betrieb, 12 min Pause).
Eine zunehmende Dauer des Stehens der Kühe im Betrieb kann aber auch auf weitere Probleme mit dem Liegebereich hindeuten, z.B. auf feuchte und/oder verschmutzte Liegeflächen. In diesem Fall  sollten ebenfalls Gegenmaßnahmen eingeleitet werden (z.B. häufigere Boxenpflege).
Quelle: Prof. Dr. Steffen Hoy; Justus-Liebig-Universität Gießen

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