Eutergesundheit

Ohne Antibiotika trockenstellen

Selektives Trockenstellen beeinflusst das Mastitisrisiko von eutergesunden Herden nur unwesentlich.

Das selektive, antibiotische Trockenstellen ist ein Beitrag zur Antibiotikaminimierung in der Milchkuhhaltung. Wissenschaftler aus den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich haben in einer Studie mit sechs Kuhherden, in denen es v.a. Probleme mit Umweltmastitiden gab, eine Untersuchung durchgeführt. Knapp 900 Kühe wurden in die Studie aufgenommen, weil sie in den ersten 100 Laktationstagen eine klinischen Mastitis hatten. Die Tiere wurden anschließend zwei großen Gruppen zugeordnet: 401 Kühe mit Zellzahlen >  200.000  Zellen/ml Milch und 406 Kühe mit niedrigen Zellzahlen. Alle Viertel wurden am Ende der Lakation mit einem Internen Zitzenversiegler versorgt.
In jeder der beiden Versuchsgruppen wurden die Kühe zufällig einer von drei Untergruppen zugeordnet: Antibiotikabehandlung in alle vier Viertel, Antibiotikabehandlung auf Viertelniveau basierend auf den CMT-Ergebnissen und keine antibiotische Behandlung. Je nach Veränderung des flüssigen Gemisches von Milch und Testflüssigkeit wurde das Ergebnis des CMT-Tests so bewertet: CMT 0 bis 1: negativ, CMT 2 bis 3 (leicht ) positiv/gelig).
Vor dem Trocken stellen und nach dem Abkalben wurden Viertelgemelksproben auf Bakterien und die somatische Zellzahl (SCC) untersucht. Klinische Mastitiden in den ersten 100 Laktationstagen wurden dokumentiert.

Bis 55% weniger Antibiotika

Innerhalb der großen Gruppen wurden Einzelviertelbehandlungen mit  Kuhbehandlungen verglichen. Wenn Kühe in der Gruppe mit hoher Zellzahl mit einem CMT-Wert <2 oder <1 mit intramammärem Antibiotikum unbehandelt blieben, reduzierte sich der Antibiotikaverbrauch um 55% bzw. 31%. Zudem bestand kein Unterschied darin, ob die Viertel sich in der Laktation mit pathogenen Keimen infizierten oder nicht. Jedoch war die Zellzahl am ersten Testtag höher.
 Die antibiotische Trockensteherbehandlung von Vierteln mit einer CMT ≥ 1 bei Kühen in der Kategorie mit niedriger Zellzahl beim Trockenstellen führte nicht zur Verringerung einer Infektion mit Mastitiserregern (major pathogens). Die Verwendung von Antibiotika in Vierteln von Kühen, die beim Trockenstellen als niedrig eingestuft wurden, erhöhte den Anteil der mit Antibiotika behandelten Viertel von 0% auf Kuhniveau auf 31% (CMT ≥ 1) und 12% (CMT ≥ 2) auf Viertelniveau. Dies führte nur dann zu einer Verringerung der Zellzahlen um etwa 20.000 Zellen / ml am ersten Testtag, wenn alle Viertel mit einem CMT-Wert ≥ 1 mit Antibiotika behandelt wurden.  
In keiner der Behandlungsgruppen wurden Unterschiede in der Inzidenz klinischer Mastitis und der Milchleistung in den ersten 100 Tagen in der Milch festgestellt. Diese Studienergebnisse unterstützen eine selektive Trockenbehandlung auf Viertelebene nur bei Kühen mit einem Zellzahlen SCC> 200.000 Zellen / ml beim Trocknen. 
Quelle: Swinkels et al. 2021

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