Zoonosen

Q-Fieber-Infektionen oft unsichtbar

Systematisches Bestandsmonitoring ist ein Werkzeug, die unerwünschte Übertragung von Q-Fieber auf Menschen zu verhindern.

Die Mehrzahl der Q-Fieber-Infektionen verläuft bei Kühen inapparent, dabei werden Geschlechtsorgane und das Euter latent mit Erregern besiedelt. In seltenen Fällen kommt es zu Aborten ab dem sechsten Trächtigkeitsmonat. In Herden mit hohen Q-Fieber- Antikörperspiegeln kommen vermehrt Fruchtbarkeitsstörungen vor. Auch ein Zusammenhang zwischen Q-Fieber und einer erhöhten Inzidenz subklinischer Mastitiden im Bestand wird diskutiert. Bei kleinen Wiederkäuern werden nach Q-Fieber-Infektion bestandsmäßig gehäuft Spätaborte und Totgeburten mit nachfolgender Unfruchtbarkeit beschrieben. Die wirtschaftlichen Verluste sind enorm.

Wellenförmiger Infektionsverlauf

Das intrazellulär lebende Bakterium Coxiella burnetii ist der Erreger des Q-Fiebers. Für eine Infektion reicht eine geringe Erregermenge aus. Es hat eine sehr hohe Tenazität (Widerstandsfähigkeit) und kann Dauerformen bilden, die bis zu 1,5 Jahre in der Umwelt überleben können. Meist findet eine Übertragung durch Inhalation erregerhaltigen Staubs, auch über weite Distanzen (bis 2 km) oder aber durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren statt. Beim akuten Ausbruch sind vor allem Geburtsflüssigkeiten, Nachgeburten und infizierte Feten ansteckend.
Die chronische Form des Erregers sorgt dafür, dass empfängliche Tiere immer wieder neu angesteckt werden. Kälber infizieren sich bereits sehr früh über Fruchtwasser und bilden eine Immunität aus, ohne dass Antikörper gebildet werden. Die Jungtiere sind dann eine Zeit lang geschützt und bei Nachlassen der Immunität kommt es zur Wiederansteckung. So kommt es zu einem wellenförmigen Verlauf der Infektion und der kontinuierlichen Durchseuchung des ganzen Bestandes. Gerade in Kuhbeständen erfolgt das oft fast unbemerkt.

Beim akuten Q-Fieber-Ausbruch werden massiv Coxiellen vor allem über Nachgeburten und Geburtsflüssigkeiten ausgeschieden. (Bildquelle: Weerda)

Frische Infektionen nachweisen

Die Bakterien werden bei frischen Q-Fieber-Infektionen massiv vor allem bei der Geburt ausgeschieden. Kommt es im Milchkuhbestand zu Verkalbungen, können Coxiellen anhand von Tupferproben von Nachgeburten, Fruchtwasser oder Totgeburten mithilfe der PCR nachgewiesen werden. Werden in so einer Situation Coxiellen nachgewiesen, ist die Infektion meldepflichtig. Der Nachweis von Antikörpern mittels ELISA ist nicht meldepflichtig. Diese Information hat nur bedingte Aussagekraft, da die meisten Betriebe chronisch infiziert sind.
Eine andere Möglichkeit ist die Phasenserologie. Sie basiert darauf, dass im aktuellen Infektionsgeschehen Phase-II-Antikörper gebildet werden. Dabei werden zunächst Erstkalbinnen untersucht. In einem zweiten Schritt werden anhand der Phase-I-Proteine die chronischen Fälle bei den Kühen ab der zweiten Laktation identifiziert, die zwar ein geringes Zoonose-Potenzial haben, jedoch die Infektion im Bestand weiter in Gang halten.

Q-Fieber systematisch kontrollieren

Ziel der Q-Fieber-Kontrolle ist es, die Infektionskreisläufe im Bestand zu reduzieren, um die Erregerausscheidung über die Milch und über das Fruchtwasser zu reduzieren. Die Rindergesundheitsdienste empfehlen folgende Vorsichtsmaßnahmen:
  1. Kontrollierter Personenverkehr im Abkalbebereich.
  2. Kuh und Kalb sollten frühestens zwei Wochen nach Geburt Kontakt zu Betriebsfremden haben.
  3. Konsequente Geburtshygiene (Handschuhe, Desinfektion, Nachgeburten entsorgen, Totgeburten in Edelstahlbehältern zwischenlagern, saubere Einstreu).
  4. Veranstaltungen auf dem Hof: Kein Kontakt zu hochtragenden Tieren oder sehr jungen Kälbern, im Verdachtsfall vorher PCR-Diagnostik durchführen.
  5. Impfung nach Risikoabwägung.

Das größte Problem der Coxiellen-Infektion ist ihr Zoonose-Potenzial. Die akuten Infektionen gehen mit massiver Erregerausscheidung einher. Gefährdet sind alle Menschen, die im Stall arbeiten und überbetrieblich von Hof zu Hof fahren wie Tierärzte, Besamungstechniker und Klauenpfleger. (Bildquelle: Heil)

Therapie und Impfung

Denn obwohl Coxiella burnetii grundsätzlich gegenüber Tetrazyklinen sensibel reagiert, kommt es zu dauernden Reinfektionen, wenn der Erreger latent in der Herde ausgeschieden wird. Erfolgsversprechender ist da die Impfung gegen Q-Fieber (Coxevac). Durch eine Reduktion der klinischen Symptome und Verminderung der Erregerausscheidung senkt die Impfung das Infektionsrisiko. Spätestens drei Wochen vor der Belegung sollte die Grundimmunisierung abgeschlossen sein.
Folgende Impfreaktionen sind beschrieben: Milchrückgang, Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber. Viele Tierseuchenkassen leisten unterschiedlich hohe Impfstoffbeihilfen. Milchkuhbetriebe, in denen akute Q-Fieber-Infektion nachgewiesen wurden oder Betriebe mit viel oder dauerhafter Personenverkehr müssen gemäß § 3 dafür Sorge tragen, dass Tierseuchen nicht aus dem Bestand verschleppt werden. Zur Eindämmung einer akuten Coxiellen-Infektion dient ein Maßnahmenplan aus Hygienemaßnahmen und Impfung.

Vorsicht ansteckend

Das größte Problem der Coxiellen-Infektion ist jedoch ihr Zoonose-Potenzial. Vor allem die akuten Infektionen gehen mit massiver Erregerausscheidung einher. Gefährdet sind alle Menschen, die im Stall arbeiten und überbetrieblich von Hof zu Hof fahren: Tierärzte, Besamungstechniker, Klauenpfleger und Laborpersonal. Aber auch Besuchergruppen (Schulklassen, Feriengäste) können sich mit den hochinfektiösen Erregern anstecken. Ansteckend sind vor allem Geburtsflüssigkeiten, Aborte oder Nachgeburten. Das Zoonose-Potenzial von Rohmilch ist eher gering. Im Jahr 2015 meldet das Robert Koch Institut 321 Q-Fieber-Infektionen bei Menschen. Die meisten im Zusammenhang mit Infektionen beim kleinen Wiederkäuer. 85 % der Erkrankten zeigten grippeähnliche Symptome, 42 % der Fälle zeigten Symptome einer atypischen Pneumonie und bei 1 % der Fälle konnte eine Herzklappenentzündung festgestellt werden.

Besonders gefährdet sind schwangere Frauen, die sich im ersten Drittel der Schwangerschaft mit Q-Fieber infizieren. Ihnen droht ein Abort. (Bildquelle: Weerda)

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