Parasiten

Räude: Die Haut juckt

Besonders zu Beginn der kalten Jahreszeit treten Räudemilben im Kuhstall auf. Die Milben sind hartnäckig und können zu erheblichen Leistungseinbußen führen.

Katharina Traulsen

Redakteur

Tierärztin (Plön)

Beim Rind kommt am häufigsten die Steißräude vor. Die Haut an der Schwanzwurzel ist verdickt, mit Krusten und Borken bedeckt (kleieartige Schuppen), die Haare sind ausgefallen. Ähnliche Symptome lassen sich auch am Kronsaum oder anderen Körperstellen finden, dort werden sie aber häufig übersehen (und können so z. B. zu Komplikationen beim Zwischenschenkelekzem führen). Das Hauptsymptom ist starker und ständiger Juckreiz. Die Tiere scheuern sich oft und sind unruhig. Das wiederum mindert die Futteraufnahme, Gewichtszunahmen und Milchleistung der Jungtiere. 

Räudemilben stechen in die Haut und verursachen dort eine allergische, juckende Reaktion. (Bildquelle: Weerda)

Man unterscheidet verschiedene Milbenarten:
  • Steißräude (Chorioptes bovis): Diese Milben nehmen in Milchkuhställen zu. Sie werden v. a. auch über Stallgeräte und -einrichtungen weitergegeben.
  • Körperräude (Psoroptes bovis): Diese Räudeform ist durch zunehmenden und sich über den gesamten Körper ausbreitenden Juckreiz gekennzeichnet.
  • Kopfräude (Sarcoptes bovis): Die Nagemilben leben in der Haut am Kopf und werden v. a. durch Tierkontakt übertragen.

Steißräude an der Kuh. (Bildquelle: Weerda)

Lebenszyklus der Räudemilbe

Räudemilben leben auf oder in der Rinderhaut und entwickeln sich in zwei bis drei Wochen vom Ei über die Larve und zwei Nymphenstadien zur erwachsenen Milbe. Die Parasiten stechen in die Haut und verursachen dort eine allergische, stark juckende Reaktion. In die vorgeschädigte Haut dringen anschließend Bakterien ein, die zu eitrigen Hautentzündungen führen können.
Im Winter sind im Stall mehr Symptome zu sehen. Bei Weidegang im Sommer verbessern sich die befallenen Stellen und die Milben ziehen sich in Hautfalten, geschützt vor der Sonne, zurück. 

Besonders über die Kuhbürste werde Räudemilben von Kuh zu Kuh übertragen.. (Bildquelle: Elite Magazin, Grafik: Orb)

1. Milben: Räudemilben leben in den oberen Hautschichten. Sie bohren und saugen in der Haut. Sie verursachen allergische und juckende Reaktionen. Milben überleben bis zu 70 Tage außerhalb des Wirtes (Kuhbürsten!).
2. Eier und Larven: Die Weibchen legen die Eier auf der Hautoberfläche der Kühe ab, die ­Larven schlüpfen innerhalb von zwei Tagen. Sie beginnen sofort damit, sich an der Haut fest­zubeißen und Blut zu saugen.
3. Nymphen: Die Larven ent­wickeln sich über verschiedene Nymphenstadien (Proto- und Deutonymphe) zur adulten Milbe. Der gesamte Entwicklungszyklus (von Ei zu Ei) beträgt nur etwa drei Wochen.

Vom Kopf zum Schwanz

Eine besondere Gefahr stellen mit Räudemilben infizierte Rinder dar, bei denen die Räude noch nicht ausgebrochen ist. Um zu verhindern, dass diese Tiere andere Tiere infizieren, muss langfristig gedacht werden. Dazu gehört, den gesamten Bestand zu behandeln, auch die Tiere ohne klinische Symptome.
Zur Behandlung der Räude gibt es verschiedene Aufguss- und ­Injektionspräparate. In der Praxis kommen häufig makrozyklische Laktone zum Einsatz. Ihr Vorteil: Sie haben eine lange Wirkdauer und bekämpfen zusätzlich auch Magen-, Darm- und Lungenwürmer. Wenn ein Antiparasitikum nicht ­ausreichend dosiert wird oder der Infektionsdruck weiterhin hoch ist, kann es zu Rückfällen kommen. Achten Sie deswegen genau auf die Angaben der Hersteller.
Achtung: Die meisten Präparate sind nicht für Tiere zugelassen, deren Milch in die Lebensmittelkette geht. Sie eignen sich daher nur für Kälber, Jung­rinder oder Mutterkuhherden. Für Milchkühe und hochtragende Färsen sind spezielle ­Aufgusspräparate mit null Tagen Wartezeit auf Milch ­verfügbar.

Präparate, die gegen Räude wirken

Behandeln und vorbeugen: Hygiene muss sein!

Räudemilben können einige Wochen ohne Kuhkontakt im Stall überleben. Die Chorioptesmilben (Erreger der Schwanzräude) sind sogar zehn Wochen in der Umwelt lebensfähig. Die Parasiten ziehen sich in Spalten und Ritzen oder schwer zu rei­nigenden Holzeinrichtungen im Stall zurück. Wer die Räude bekämpft, sollte auch den Stall reinigen und mit einem wirksamen Desinfektionsmittel (DVG-Desinfektionsmittelliste) arbeiten.
Besonders viele Milben finden sich an Kuhbürsten. Diese stellen eine bedeutende Reinfektionsquelle dar. Daher gilt: Abbauen und außerhalb des Stalls mit dem Hochdruckreiniger gründ­lich reinigen. Erst nach vier Wochen wieder einbauen oder eine Wechselbürste bereithal­ten.
Um die Tiere vor Räude zu schützen, gilt es, die Risikofaktoren für eine Übertragung der Räudemilben schon früh zu reduzieren. Dazu gehört unter anderem: 
  • Kontakt zu fremden Rindern vermeiden. 
  • Auf Auktionen oder beim Zukauf ist das Ansteckungsrisiko hoch. Zugekaufte Rinder drei Wochen in Quarantäne bringen. Erst dann die neuen Tiere in die Herde eingliedern.
  • Betriebseigene Stiefel und Overalls für Personen bereithalten, die in verschiedenen Ställen ein- und ausgehen (Tierhändler, Besamungstechniker, Tierärzte)

Kuhbürsten übertragen Räudemilben und sollten regelmäßig gereinigt oder ausgetauscht werden. (Bildquelle: Hünnies)

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