Fruchtbarkeit

Schnell tragend mit Hormonprogramm

Tierärztin Kathrin Nieland erklärt, wie gute Trächtigkeitsraten in der Herde realisiert werden können.

Kathrin Nieland

Redakteur

Hofheim

Ohne konsequentes, strategisches Fruchtbarkeitsmanagement sind gute Besamungserfolge nur schwer erreichbar. In erster Linie sollte der Landwirt Selektionskriterien festlegen, z.B. wie viele Besamungen sinnvoll sind bzw. ab wann die Kuh zuchtuntauglich ist und nur noch abgemolken wird. Je früher man mit den Besamungen beginnt, desto mehr Spermaportionen werden nötig sein, um die Kühe schnellstmöglich tragend zu bekommen. Der Besamungsindex kann deshalb je nach betriebsindividueller Entscheidung sehr hoch ausfallen und trotzdem ist die Herdenfruchtbarkeit gut.

Puerperalkontrollen weglassen

Voraussetzung für gute Fruchtbarkeit ist eine gesunde Kuh mit zurückgebildeter Gebärmutter. Mithilfe einer rektalen Puerperalkontrolle ab dem 21. Tag nach der Kalbung wird Größe, Füllung und Symmetrie des Uterus bestimmt. Werden im Betrieb intensiv Frischabkalber-Untersuchungen durchgeführt, können Gebärmutterentzündungen schon frühzeitig erkannt und dementsprechend behandelt werden. In solchen Betrieben und bei geringer Krankheitshäufigkeit kann aus arbeitstechnischen Gründen auf die Puerperalkontrolle verzichtet werden.

Prostaglandin therapeutisch einsetzen

Problemtiere mit Nachgeburtsverhalten und Gebärmutterentzündung bekommen zwei Prostaglandin Injektionen im Abstand von 14 Tagen. Reicht die Hormontherapie nicht aus, empfiehlt sich eine einmalige lokale Therapie (Metricure, null Tage Wartezeit) und eine dreitägige systemische antibiotische Therapie (Excenel, null Tage Wartezeit). In Betrieben mit systematischen Hormonprogrammen erhalten alle Tiere ab dem 28. Tag zweimal Prostaglandin.

Ab dem 40. Tag besamen

Eine erste wichtige Managementmaßnahme ist das Festlegen einer freiwilligen Wartezeit (FWZ), in der nicht besamt wird. Das ist eine betriebsindividuelle Entscheidung. Für jeden Betrieb muss festgelegt werden, was mit Kühen passiert, die bis zum Ablauf der FWZ noch nicht gebullt haben. Wer wartet, bis die Kühe von allein in Brunst kommen, muss unter Umständen viel Geduld mitbringen. Das kann zudem kostenintensiv (drei bis vier Euro pro Tag für jede güste Kuh) sein und birgt einige Risiken wie z.B. Überkonditionierung zum nächsten Trockenstellen und den damit verbundenen Stoffwechselproblemen in der Folgelaktation.

Das Presynch führt dazu, dass die Kuh mit dem optimalen Zyklusstand in das Ovsynch startet. (Bildquelle: Driemer)

Strategisches Presynch/Ovsynch

Ein strategisches Presynch-/Ovsynch-Programm startet schon vor dem Ablauf der FWZ und endet mit der terminierten Besamung. Das Presynch (zweimal PG im Abstand von 14 Tagen) bewirkt, dass sich ein Großteil der angespritzten Tiere zum Start des Ovsynchs zwischen dem 6. und 12. Zyklustag befindet. Das sind optimale Voraussetzungen für den Erfolg des Ovsynch-Programmes, denn jetzt befindet sich ein dominanter Follikel auf dem Ovar, der durch die erste GnRH-Gabe zur Ovulation gebracht wird und somit zu der nachfolgenden Bildung eines Gelbkörpers führt.
Sieben Tage später bekommt die Kuh PG, welches zur Auflösung des Gelbkörpers führt (und das Heranreifen eines Brunstfollikels anstößt). Schwere Kühe brauchen unter Umständen eine zweite PG­Dosis innerhalb der nächsten 24 Stunden zur vollständigen Luteolyse. Die zweite GnRH­-Gabe erfolgt 56 Stunden nach der ersten PG­-Injektion und bewirkt den Eisprung. Die terminierte Besamung erfolgt 16 Stunden nach der GnRH­Injektion. Bei einer Kombination von Presynch und Ovsynch kann der Besamungserfolg bei bis zu 45 % liegen und damit circa 10 % höher als beim konventionellen Ovsynch­Programm. Diese Strategie fahren viele Familienbetriebe mit 200 bis 300 Kühen und wenigen Fremdarbeitskräften in unserem Praxisgebiet.

Hormone nur bei Bedarf

Dieses intensive Hormonprogramm (fünf/sechs Injektionen) ist aus ethischen Gründen nicht jedermanns Sache. Weiterhin sind diese Ovsynch-­Programme für Färsen eher ungeeignet, da häufig nur eine geringe Ansprechbarkeit der Färsen auf die geplante Hormonverabreichung beobachtet werden kann.
Wer auf den systematischen Einsatz von Hormonprogrammen verzichtet, baut auf Brunstbeobachtung. Technische Hilfsmittel (Pedometer, Halsbänder zur Aktivitätsmessung) helfen hier, mithilfe von Daten am PC den Brunstzeitraum einzugrenzen. Wichtig bleibt das intensive Beobachten der Tiere mindestens dreimal am Tag in Ruhephasen, um die Aktivitätszeichen sicher zu erkennen.
Die Arbeit der Brunstbeobachtung ist schwerer geworden, da mit höherer Leistung die Intensität der Brunstsignale abnimmt und die Brunstdauer sich ebenfalls verkürzt hat. Vor allem Arbeitsspitzen (Ernte, Urlaubszeit, Baustelle) im Betrieb führen dazu, dass die Brunstbeobachtung leidet.

Brunsterkennung über 70 %

Bei Fruchtbarkeitsprogrammen, die auf Brunstbeobachtung setzen, sollte die Brunsterkennungsrate bei über 70 % liegen. Sollte die Brunsterkennungsrate unter den Zielwert sinken, müssen die Ursachen gesucht und abgestellt werden. Allerdings sollte hier unbedingt festgelegt werden, was mit Kühen passiert, die z. B. bis zum 70. Laktationstag noch nicht in Brunst gesehen wurden. Hier empfiehlt es sich bei solchen Problemkühen doch ein Ovsynch­-Programm durchzuführen oder sie individuell gemäß tierärztlichem Befund zu behandeln.

Eine Resynch ist ein Ovsynch nach negativer TU oder einem negativen PAG-Test. (Bildquelle: Driemer)

Resynch nach TU minus

Ist eine Kuh besamt, wird sie automatisch für die Trächtigkeitsuntersuchung vorgemerkt. Die klassische rektale TU wird durch den Tierarzt sicher ab dem 42. Tag (Profis ab Tag 35) gestellt. Technische Hilfsmittel machen es möglich, dass mithilfe des PAG­-Tests (Nachweis des Trächtigkeitsproteins) in Blut und Milch schon ab dem 28. Trächtigkeitstag ein genaues Ergebnis möglich ist. Auch mithilfe von Ultraschall können Frühträchtigkeiten sicher nachgewiesen werden.
Entscheidet man sich für die frühe TU, muss man wissen, dass die Resorptionsgefahr noch so hoch ist (bis zu 10 %), dass in der Regel eine Kontroll­TU am Tag 42 bis 60 nötig ist. Ziel der frühzeitigen TU ist es immer, vor allem die nicht tragenden Kühe zu identifizieren, um sie zum Beispiel mithilfe eines Resynch Programmes für die neue Besamung vorzubereiten.
Resynch ist nichts anderes als ein Ovsynch, dass am Tag der negativen TU startet und eine terminierte Besamung nach 9 Tagen möglich macht. Das Fruchtbarkeitsmanagement kann je nach Betrieb sehr unterschiedlich organisiert sein.
Wichtig ist nur, dass Sie sich auf eine Routine festlegen und die dann konsequent durchführen. Die Erfahrung zeigt, dass sich allein das strategische Arbeiten positiv auf den Besamungserfolg auswirkt.

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