Fruchtbarkeit

TU minus – was nun?

50 % der Trächtigkeiten gehen innerhalb von 40 Tagen nach der Besamung wieder verloren. Woran liegt das? Und wie geht man mit den TU-negativen Kühen sytematisch um?

Eigentlich sind unsere Milchkühe sehr fruchtbar. Bei einer künstlichen Besamung werden in der Regel rund 80 % der Eizellen befruchtet. Wenn dann aber die TU ansteht, gelten 30 % „Tragende“ oft schon als Erfolg. Ca. 40 % der Embryonen sterben bereits 8 bis 16 Tage nach der Besamung. Grund dafür sind genetische Defekte und Schäden an der Gebärmutterschleimhaut. Betroffene Kühe rindern dann je nach Zeitpunkt des embryonalen Frühtodes regelmäßig oder unregelmäßig um. Und der Embryo wird entweder resorbiert oder geht in einer Blase aus grauem Schleim aus der Scheide ab. Geht der Fetus bis zum 60. Trächtigkeitstag ab, spricht man von Resorptionen. In Betrieben mit Trächtigkeitsverlusten von über 10 % ist eine zweite Untersuchung nötig, um die Trächtigkeit zu bestätigen.

40 % der Embryonen sterben in den ersten zwei Wochen nach der Besamung. Umbullen oder eine negative TU zeigen an, dass die Kühe wieder güst sind. (Bildquelle: Veauthier)

Entzündungen schaden Embryonen

Reproduktionsexperten der Universität Wisconsin haben herausgefunden, dass Kühe mit Puerperalstörungen, qualitativ minderwertige Embryonen bilden. Hier ist häufig eine verzögerte embryonale Zellteilung zu beobachten, die zum Absterben der Embryonen führt. Das betrifft mindestens ein Drittel aller frischabgekalbten Kühe. Viel weist daraufhin, dass der Entzündungsprozess im Körper, egal wo er ist (Gebärmutter, Lunge, Euter, Klaue), sich negativ auf die embryonale Entwicklung auswirkt. So ist auch das Phänomen erklärbar, dass z. B. Kühe mit bzw. nach Aus- heilen einer klinischen Eutererkrankung schlechter tragend werden. Während sich beim Auftreten von nur einer Entzündung das Risiko eines embryonalen Frühtods verdoppelt, verdreifacht es sich bei mindestens zwei Entzündungen. Bei Kühen, die mehr als einmal in der Frühlaktation erkranken, sinkt die Chance, dass sie nach der ersten Besamung trächtig werden, um bis zu 60 %!
Hintergrund: Im Fall einer Erkrankung werden Entzündungsmediatoren produziert und freigesetzt. Diese Alarmmelder sollen die Migration von Immunzellen zum geschädigten Gewebe anregen und deren Auswanderung aus dem Blut fördern, also das Immunsystem ankurbeln. Allerdings unterbinden die Entzündungsmediatoren auch die Sekretion der Fruchtbarkeitshormone GnRH und LH. Die beiden Hormone werden aber zur Entwicklung der Eizelle benötigt. Weiterhin werden im Entzündungsprozess körpereigene Prostaglandine freigesetzt, die zu einer Schwächung des trächtigkeitserhaltenden Gelbkörpers führen können.

Progesteronwert vor Besamung stabil halten

Gerade Hochleistungskühe mit hohen Stoffwechselraten leiden immer häufiger unter diesem leistungsbedingten Progesteronmangel. Dabei ist das Hormon, das der Gelbkörper produziert, bereits vor der Besaumg wichtig. Inzischen gibt es modifizierte OvSynch-Protokolle, die eine Progerstonspange beinhalten. 

Nach einem negativen Trächtigkeitsergebnis kann ein Hormonprogramm helfen, die Kuh „besamunsfähig“ zu machen. (Bildquelle: Rommel)

Der Gelbkörper ist entscheidend

Zu den praxisüblichen Routinen gehört nach negativem Trächtigkeitsergebnis entweder die Injektion mit Prostaglandin oder der Start eines OvSynch-Programmes. Aus einer Studie von Wijma (2018) geht hervor, dass mit dem altbekannten OvSynch-Verfahren lediglich eine Trächtigkeitsrate von 24 % Prozent erreicht wurde. Bis zu 30 % der umrindernden Kühe haben an Tag 32 nach der Besamung keinen corpus luteum. Das haben Ultraschalluntersuchungen gezeigt. Die Arbeitsgruppe um Santos (Universität Wisconsin) hat zur Resynchronisierung nach negativem TU-Ergebnis mit zwei verschiedenen OvSynch-Protokollen mit einer progesteronhaltigen Spange (PRID-Spange) verbunden (Grafik).

Das Resynchronisiserungs-Programm mit zweifacher PGSpritze bringt bei Kühen ohne corpus luteum hohe Trächtigkeitsraten. (Bildquelle: Rommel)

Nach dem negativen Trächtigkeitsergebnis bekamen die Kühe sieben Tage lang eine Progesteron- Spange eingelegt, es folgte eine (Programm 1) oder zwei (Programm 2) Prostaglandin-Injektion und eine GnRh-Spritze 16 Stunden vor der künstlichen Besamung. Die Trächtigkeitsraten fielen je nach Programm und dem Vorhandensein eines corpus luteum sehr unterschiedlich aus. Den größten Erfolg brachte das Programm mit einer Progesteron-Spirale zwei Prostaglandin- Spritzen. Kühe, die nach erfolgloser Besamung ohne cl so behandelt wurden, zeigten hohe Trächtigkeitsraten von 46 %.

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