Kälbergesundheit

Viel Milch bringt Kälberwohl

Hohe Tränkemengen sorgen für gesündere Kälber und verbessern sogar die Fruchtbarkeit. Tipps für den idealen Tränkeplan!  

Eine Gruppe Kälber tollt durchs Stroh, die Tiere blöken und wirbeln Stroh auf, den jungen Tieren geht es gut. Dass das auch mit der Fütterung zu tun hat, zeigen Untersuchungen von der Hochschule Neubrandenburg.

Anke Schuldt

Redakteur

Regina Dinse

Redakteur

Hohe Tränkemengen, gesunde Kälber

Um einen optimalen Tränke- und Beifutterplan entwickeln zu können, wurden die langfristigen Auswirkungen verschiedener Fütterungsregime (Tränkeanrechte von 8, 10, 12, 14, 16 l MAT/Tag) auf mehr als 1.100 Kälber und die Folgen für die Gesundheit und Fruchtbarkeitsleistung untersucht.
Um nicht nur die Tränkemenge, sondern auch das Tränkeverhalten (Besuche an der Tränkestation) als Einflussfaktoren auf die Gesundheit beurteilen zu können, wurde der Index Tränkeverhalten (ITV = TM + BA) entwickelt, der sich aus der mittleren Tränkemenge (TM) und der mittleren Anzahl an Besuchen an der Tränkestation (BA) zusammensetzt.
Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass Kälber, die hohe Tränkemengen aufnehmen bzw. einen hohen Index zeigen, gesünder sind. In der Gruppe Kälber, die einen Index von mindestens 16 aufwiesen, lag die Anzahl der Erkrankungen durchschnittlich bei 0,8 pro Kalb. In der Gruppe mit einem niedrigen Index (ITV <12) wiesen die Kälber im Schnitt 2,6 Erkrankungen pro Tier auf.

1. Tränkemenge beeinflusst Fruchtbarkeit

Weniger Totgeburten

Die Höhe der Tränke und die Anzahl der Besuche an der Tränkestation hatte ebenso einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit der jungen Tiere (Übersicht 1). So zeigten Kälber mit einem hohen Index (≥16) ein niedrigeres Erstbesamungsalter (15,6 vs. 16,3 Monate) und dementsprechend auch ein niedriges Erstkalbealter (25,7 vs. 26,4 Monate). Zudem konnten bei den Kälbern mit einem hohen Index tendenziell leichtere Kalbungen und ein geringerer Anteil an Totgeburten festgestellt werden.

Viel Milch, viel Spaß

Aber nicht nur die Gesundheit der Kälber wird durch die Fütterung beeinflusst. Die Milchtränke ist auch ein wichtiger Einflussfaktor dafür, dass Kälber ihr natürliches Verhalten ausleben können.
Indikatoren für ein hohes Wohlbefinden von Kälbern sind ein ausgeprägtes Spiel- und Sozialverhalten (Herumtollen, Hornen, Gegenstände beschnuppern etc.) sowie das Einschränken von gegenseitigem Besaugen. Auch eine möglichst geringe Anzahl an Blindbesuchen an der Tränkestation (Besuche ohne Anrecht, Anzeichen für Hunger und ein unbefriedigtes Saugbedürfnis) werden angestrebt.
Wie beeinflusst die Tränkemenge diese Verhaltensweisen? Hier einige Erkenntnisse: 
Ruheverhalten: Kälber zeigen bis Ende der 7. Lebenswoche (LW) ein Ruheverhalten von täglich bis zu 16 Stunden. In dieser Zeit ruhen, schlafen und wiederkäuen sie. Das Ruheverhalten der Kälber zeigte weder in der Dauer noch in der Häufigkeit der Ruheperioden Unterschiede zwischen den verschiedenen Tränkeanrechten. Ab der 8. Lebenswoche sind die Ruhezeiten allerdings umso länger, je höher das maximale Tränkeanrecht bis zum Beginn des Abtränkens ist.
Aktivität: Bei einem maximalen Tränkeanrecht von 8 und 10 l pro Tag nutzen die Kälber bis zum Ende der 7. Lebenswoche nur 74 bzw. 60% der möglichen aktiven Zeit (24 Stunden minus Ruhezeit) für Erkunden, Spielen und soziale Kontakte. Der Zielwert ist hier ein Anteil von mindestens 85%. Können die Kälber 12 l saufen, verbringen sie im Tagesmittel 93% der möglichen Zeit mit Spielen und Herumtollen.
Blindbesuche:  Nicht bei jedem Tränkebesuch haben die Kälber ein Anrecht auf Milchaustauscher, was als „Blindbesuche“ bezeichnet wird. Kälber, die nur 8 bzw. 10 l Tränkeanrecht hatten, suchten häufiger die Tränkestation ohne Tränkeanrecht auf (11,7 bzw. 7,2 Blindbesuche), als Kälber mit einem höheren Tränkeanrecht von 12 l (2,7 Blindbesuche). Das Ziel sind ein bis zwei Blindbesuche pro Tag, während des vollen Tränkeanrechts.
Gegenseitiges Besaugen der Kälber kann die Euteranlagen schon in frühen Jahren nachhaltig schädigen. Besaugen tritt bei Kälbern mit einem 12 l-Tränkeanrecht faktisch nicht auf. Bei einem maximalen Tränkeanrecht von 8 l zeigten alle Kälber mehr oder weniger häufiges Besaugen.

Optimaler Tränke-/Beifutterplan

Aus den Untersuchungen zum Einfluss der Tränkemenge bzw. des gesamten Fütterungsregimes konnte eine Empfehlung für den optimalen Tränkeplan erstellt werden:
  • Erste Lebenstage (Einzelhaltung, 21 Tage): Mindestens 10 l Misch-Kolostrum/Vollmilch bis zum 14. Lebenstag füttern. Danach mindestens 12 l Vollmilch oder Milchaustauscher (MAT) tränken.
  • Maximales Tränkeanrecht: 14 l Milchaustauscher pro Tag, mindestens 12 l MAT bis zum 49. Lebenstag bzw. Ende der 7. Lebenswoche. Bei einem Anrecht von 14 l MAT pro Tag mit mindestens 160 g MAT/l wird der Tränkebedarf optimal gedeckt.
  • Abtränken: Beginn des Abtränkens ab dem 50. Lebenstag, Reduzierung der täglichen Milchaustauscher-Menge um 0,45 bis 0,40 l MAT pro Tag.
  • Absetzen: Bei einem maximalen Tränkeanrecht von 12 l wird ab dem 75. Lebenstag abgesetzt. Bei einer Menge von 14 l ab dem 85. Lebenstag.
  • Beifutter: Heu sollte ab dem ersten Lebenstag (keine Vorratsfütterung) in einer Raufe angeboten werden. In den ersten sieben Lebenswochen Heu, Trocken-TMR oder Anwelksilage (sehr gute Qualität) und Kraftfutter (Müsli, Pellets) ad libitum füttern. Ab der achten Lebenswoche wird die Trocken-TMR durch eine normale TMR (10,5 bis 11,0 MJ ME pro kg TM, 145 bis 160 g XP/kg TM) Schritt für Schritt ersetzt. Heu wird ebenfalls ad libitum angeboten.
  • Wasser: Ein Wasserangebot erfolgt über den gesamten Zeitraum.
 

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