Fruchtbarkeitsmanagement

Was geht mit Ultraschall?

Die Ultraschalldiagnostik hat sich flächendeckend durchgesetzt. Mit der höheren Auflösung moderner Geräte erweitern sich auch die diagnostischen Möglichkeiten für Tierärzte in der Praxis.

Im Rahmen der Puerperalkontrolle, die ich persönlich mit dem Abschluss des Gesamtpuerperiums (ab Tag 30 post partum) empfehle, können neben dem Palpationsbefund (Verwachsung, Asymmetrie, Flüssigkeitsansammlung, Zysten) selbst geringe Mengen an entzündlichen Sekreten in der Gebärmutter erkannt werden. Diese Flüssigkeit stellt sich oft als fließend bewegliche hyperechogene Ansammlung (weiß im Bild 1) im Uteruslumen dar und sollte nicht mit der ebenfalls hyperechogenen Linie der einander anliegenden Endothelschichten verwechselt werden.
Bei größeren Ansammlungen gelingt die Differenzierung der Endometritisgrade durch die höhere Echogenität fester Eiteransammlungen von flüssigen. Die Puerperalkontrolle ist vor allem ein diagnostischer Kontrollpunkt, um Mängel der puerperalen Reinigung aufzudecken, kann aber auch therapeutisch genutzt werden, um die Kuh sauber in die Besamungszeit zu entlassen.

eLearning: Fruchtbarkeit: Ultraschall in der Praxis  – Hier geht es zum Kurs 

Ultraschall ist in der modernen Reproduktionsmedizin nicht wegzudenken. In diesem Kurs lernen Sie, bei welchen Gelegenheiten die Technik im Fruchtbarkeitsmanagement eingesetzt wird.
- Frühträchtigkeiten, Resorptionen, PKs - Zwillinge, Alters- und Geschlechtsbestimmung -Sterilitäten Referent: Dr. Michael Kreher, Bad Liebenwerda 

Frühträchtigkeit ab Tag 24

Mit den hochauflösenden Geräten ist eine Trächtigkeitsuntersuchung bereits vor den in der Literatur genannten Terminen möglich (Färsen ab 24 Tage, Kühe ab 28 Tage). Es empfiehlt sich jedoch ein Untersuchungszeitpunkt zwischen 33 und 40 Tagen nach der Besamung, weil bis dahin die Frühresorptionen deutlich abgenommen haben und sowohl die Frucht, als auch das Fruchtwasser soweit entwickelt ist, dass der Herzschlag und die Qualität der Fruchtblasen schnell und deutlich zu beurteilen sind. Das anechogene (schwarz im Bild 2), im Querschnitt rundliche Fruchtwasser und der Herzschlag des sichtbaren Embryos sind bei minimaler Manipulation der Gebärmutter ein 100 % sicherer Trächtigkeitsnachweis.

Ultraschall Befunde  (Bildquelle: Kreher)

Embryonaler Frühtod

Zu den Erkennungsmerkmalen von Resorptionen bei der Sonografie gehören: fehlender Herzschlag, im Querschnitt sternförmige Fruchtblase, Frucht und Fruchtblase passt nicht zu dem Alter der Frucht nach Besamungstermin, zerrissene Eihautteile, schwimmende Flocken im Fruchtwasser. Meistens stellen sich resorbierte Fruchtanlagen als hyperechogene kleine Zellmasse in einer Fruchtblase dar. Oft ist ein Gelbkörper noch erkennbar.

Frühzeitige Altersbestimmung

Für Bestände kann die Altersbestimmung der Frucht bedeutsam sein, um zeitgemäß trockenzustellen. Neben der Größe der Frucht sind die Menge des Fruchtwassers und die Größe der Plazentome bedeutsam. Dabei sollte die Gruppe mindestens alle acht Wochen untersucht werden. Die Schätzgenauigkeit durch Ausmessen der Größenparameter oder aus der Erfahrung bei konstanten Einstellungen beträgt bis zum 40. Tag ± 1 Tag und um den 60. Tag ± 1 Woche.

Ultraschall Befunde  (Bildquelle: Kreher)

Vorhersage Zwillinge und Geschlecht

Die Erkennung von Zwillingsträchtigkeiten ist für viele Landwirte wichtig, um diese Tiere 14 Tage eher Trockenzustellen und die Futteraufnahme in der Vorbereitung genau zu beobachten. Im Ultraschall sind Zwillingsträchtigkeiten zu erkennen an: zwei Embryonen, Frucht mit Fruchtblase und nach zwei Seiten von der Fruchtblase weiterlaufende Allantoamnien, quer durch die Fruchtblase durchziehende Eihaut, relativ viele Eihäute sichtbar (aufgrund großzügiger Aufhängung oft wellenartig in Bewegung zu bringen), kleine Frucht im Vergleich zum Trächtigkeitstag, zwei Gelbkörper auf einem Ovar.
Die Geschlechtsbestimmung kann mit einer Genauigkeit von über 98 % zw. 60. und 80. Tag durchgeführt werden. Dabei ist bei männlichen Tieren die Präputialfalte kaudal des Nabels als hyperechogener Höcker (weiß im Bild 3) sichtbar. Ab dem 70. Tag ist der Hodensack erkennbar. Bei weiblichen Embryonen ist der Genitalhöcker ventral des Schwanzansatzes als zwei helle senkrecht verlaufende Linien (Schamlippen) sichtbar. Die vier Zitzenanlagen sind ab dem Tag 70 erkennbar.

Sterilitätsuntersuchung

Je nach Betriebspolitik wird die Ovardiagnostik zwischen dem 60. und 80. Tag durchgeführt. Je genauer man die Funktionskörper anspricht, desto sicherer ist die Zyklusdiagnostik. Junge Gelbkörper sind im Ultraschallbild an der oft groben Textur oder einer zentralen Blase erkennbar. Der Gelbkörper nach der Blütephase ist fest und klein mit homogen feiner Textur. Gelbkörper mit einer echogenen Mittellinie (weiß im Bild 4) wird eine besondere Persistenz nachgesagt.
Eine hohe Aufmerksamkeit erlangt die Ultraschalluntersuchung bei der Diagnostik der Eierstockszysten, weil davon die Therapie der verschiedenen Zystenarten abhängt. Follikel-Lutein-Zysten haben eine dicke Wand (> 3 mm) oder zentrale Trabekel oder Flocken. Follikel-Thekazysten sind dünnwandig. Beiden ist ein Innendurchmesser des Follikels von > 2,5 cm gleich. Gelbkörperzysten werden sofort mit PGF therapiert. Follikelzysten sollten punktiert werden.

Michael Kreher

RedakteurTierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Kreher & Dr. Stamnitz 

Bad Liebenwerda

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