Afrikanische Schweinepest

Ein Wildzaun gegen die Seuche

Die Politiker diskutieren, die Länder wollen einen Wildzaun errichten. Schweinehalter können derweil Online-Kurse zur Betriebshygiene belegen. Ein Überblick.

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, an der Landesgrenze zu Polen einen 1,5 m hohen und 30 cm tiefen Wildschutzzaun zu errichten. Mehrere Länder signalisierten ihre Bereitschaft, sich an der Finanzierung dieser Zäune zu beteiligen.
Ein allgemeingültiger Beschluss zum Zaunbau und der Finanzierung wurde jedoch nicht gefunden. Stattdessen soll die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV) die Möglichkeiten eines solidarischen Finanzierungsmodells für die Wildschutzzäune zu prüfen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gab bekannt, dass ihr Ressort mit der EU-Kommission geklärt habe, dass eine Ko-Finanzierung beim Bau von Wildzäunen möglich sei. Sie sieht die Finanzierung aber grundsätzlich bei den Ländern.

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ergreifen Maßnahmen

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus kündigte inzwischen an, dass Mecklenburg-Vorpommern entlang der Grenze zu Polen einen wildschweinsicheren „Tierschutzzaun“ bauen werde. Für den Bau forderte er eine Beteiligung an der Abschussprämie für den Abschuss von Wildschweine durch das Landwirtschaftsministerum. Die in Mecklenburg-Vorpommern bereits seit 2017 ausgezahlte Prämie fördere die verstärkte Wildschweinbejagung und sei damit eine grundlegende Voraussetzung, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, erläuterte Backhaus. 
Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel will zudem eine „Weißen Zone“ errichten. Diese soll im Radius von 5 km um die bereits ausgewiesene Kernzone liegen, in der sämtliche Wildschweine getötet werden sollen. Diesen Vorschlag hatte zuvor das von der EU-Kommission entsandte Expertenteam des europäischen Veterinär-Notfallteams (EUVET) den zuständigen Stellen in Brandenburg empfohlen. Zudem stellte er in Aussicht,  dass die Kreisveterinäre die Feldarbeiten nach einer gründlichen Kadaversuche wieder freigeben könnten.

Hausschweinebestände schützen

Die zuständige Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Beate Kasch, warb  derweil auf einer Sitzung des Zentralen Krisenstabes Tierseuchenbekämpfung um ein koordiniertes und gemeinsames Vorgehen aller Akteure.
Nach den Worten der Staatssekretärin erwartet die Bundesregierung vom Land Brandenburg, dass sich die zuständigen Vor-Ort-Behörden abstimmen und einheitlich vorgehen. Es sei Aufgabe des Landeskrisenzentrums Brandenburg, hier zu koordinieren und zu steuern. Dafür seien in den vergangenen Jahren im Rahmen der gemeinsamen Bund-Länder-Task Force Tierseuchenbekämpfung umfassende Checklisten, Verfahrensanweisungen und Maßnahmenpläne erstellt worden. „Mit den Erkenntnissen der Experten vor Ort gilt es jetzt, die Virusverbreitung in der Schwarzwildpopulation zu analysieren und die Hausschweinebestände weiter zu schützen“, betonte Kasch.

Online-Kurse zur Biosicherheit

Kompaktwissen zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) und zur Biosicherheit im Schweinebetrieb vermitteln zwei aufeinander aufbauende Online-Kurse, die von der Landakademie angeboten werden. Entwickelt wurde das Weiterbildungsangebot laut dem Anbieter in Zusammenarbeit mit dem Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unter Begleitung der QS Qualität und Sicherheit GmbH. In jeweils etwa einer Stunde würden fundiert, gebündelt und anschaulich aufbereitet alle wesentlichen Fakten vermittelt, so die Landakademie. Um das erworbene Wissen zu festigen, seien zudem kurze Übungen integriert.
Nach Ansicht der Akademie können Online-Fortbildungen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit zur Eindämmung und Bekämpfung der ASP sein. Derartige Angebote könnten zeit- und ortsunabhängig genutzt werden; gebraucht würden lediglich eine stabile Internetverbindung sowie ein PC oder ein Tablet. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Buchung gibt es auf der Internetseite der Landakademie

Die Landakademie bietet Online-Kurse zur  zur Biosicherheit im Schweinebetrieb an. (Bildquelle: Shameer PK, Pixabay)

Baurnverband fordert wildschweinsichere Grenze

Derweil sprachen sich der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche Jagdverband (DJV) dafür aus, Ortskundige bei der Kadaversuche und der Bergung vor Ort mit einzubeziehen, vor allem von Jägern sowie Land- und Forstwirte. Für diese freiwilligen Hilfskräfte müsse es einen ausreichenden Versicherungsschutz und eine angemessene Entschädigung geben. Die Früherkennung eines Seuchenherdes und dessen Isolierung seien entscheidend, um Infektionsketten zu unterbrechen.
Die Kernzone müsse bei einem ASP-Ausbruch möglichst schnell und großräumig wildschweinsicher gezäunt werden. Hier besteht nach Ansicht von DBV und DJV noch ein erheblicher Handlungsbedarf. Entlang der polnischen Grenze sollte die Wildschweinbejagung auf deutscher Seite nach Einschätzung beider Verbände stark intensiviert werden. Gemäß den Empfehlungen des FLI sollte der Wildschweinbestand in der Pufferzone um einen ASP-Ausbruchsherd massiv reduziert werden. Politik und Behörden seien gefordert, Hürden schnellstmöglich abzubauen. Der DJV hatte dazu bereits einen 11-Punkte-Katalog vorgelegt.

Keine Beruhigung in Polen

Während die Afrikanische Schweinepest nun auch die deutschen Landwirte in Atem hält, grassiert die Tierseuche in Polen unvermindert weiter. Die Oberste Veterinärbehörde bestätigte vergangene Woche einen neuen ASP-Fall in einem polnischen Schweinemastbetrieb. Dabei soll es sich um einen Hof mit insgesamt 34 Tieren im Süden der Wojewodschaft Masowien gehandelt haben.
Sorgen bereitete Fachleuten nicht nur die Tatsache, dass es in dieser Region bislang noch keinen Ausbruch der Seuche gegeben hatte. Mit dem aktuellen Fall ist die Afrikanische Schweinepest nun auch seit Jahresbeginn bereits in 90 Schweinehaltungsbetrieben aufgetreten. Dabei mussten insgesamt rund 53 000 Hausschweine gekeult werden.
Die hochansteckende Tierkrankheit hat somit schon von Jahresbeginn bis Mitte September weit mehr Schäden verursacht als im gesamten Kalenderjahr 2019. Damals war die ASP nachweislich in „nur“ 48 landwirtschaftlichen Betrieben aufgetreten. Die Zahl der Nottötungen hatte bei gut 35 000 Tieren gelegen. Hinzu kommen in diesem Jahr nahezu täglich neue Funde der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen. Eine Beruhigung des Seuchengeschehens ist daher in Polen jenseits der saisonalen Schwankungen vorläufig nicht in Sicht. 
Quelle: AgE

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Tragen Sie sich jetzt ein und wir senden Ihnen automatisch weitere Artikel zu