Kastrationsalternativen

Immunokastrierte Eber überzeugen

Ein Praxisversuch in Schleswig-Holstein hat die Mast- und Schlachtleistungen von mit Improvac-geimpften Ebern untersucht. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Das Kupierverbot bei Ferkeln rückt näher. Das Netzwerk Sauenhaltung hat in einem Praxisversuch deswegen untersucht, welche Auswirkungen der Impfstoff Improvac auf Mast- und Schlachtleistungen unter Praxisbedingungen hat. Denn obwohl die Impfung mit Improvac ein zugelassenes Verfahren ist, um den Ebergeruch von männlichen Schweinen zu vermeiden, wird das Verfahren immer noch kontrovers diskutiert. Während ein chirurgisches Kastrieren der männlichen Schweine dadurch zwar unnötig wird, zögern Schlachtunternehmen mit der Abnahme und der fairen Bezahlung dieser Tiere weiterhin. Auch die Fleischverarbeiter und der Lebensmittelhandel zeigt sich bisher unsicher. 
Um Aussagen zur biologischen und ökonomischen Auswirkungen der Immunokastration zu machen, hat das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein Ende 2019 in einem seiner Mitgliederbetriebe einen Versuch durchgeführt.

Praxisversuch mit über 1.000 Schweinen

 In dem Betrieb wurden in zwei Lieferpartien 1.216 Mastferkel in 14er Gruppen aufgestallt. Die Fütterung erfolgte praxisüblich dreiphasig mit betriebsüblichen Eigenmischungen aus Gerste, Weizen, Sojaschrot, Mineralstoffvormischung und Molke. Die Futterkurve zielte dabei auf Tagesaufnahmen von 950g ab.  Die erste Impfung der zur Immunokastration ausgewählten Ferkel erfolgte für alle Ferkel am selben Tag (7. bzw. 14. Tag), die zweite Impfung an zwei Tagen vier Wochen vor dem ersten Schlachttermin. Die Schweine wurden an zehn Terminen geschlachtet und alle Schlachtkörper mit dem Auto-FOM-3-Gerät klassifiziert. Alle nicht chirurgisch kastrierten Schweine wurden zudem am Schlachtband einer Geruchsprobe unterzogen. 
Die Ergebnisse:
  • Geruchsauffälligkeiten wurden bei den nicht chirurgisch kastrierten Schweinen nicht festgestellt.
  • Immokastrierte Tiere hatten eine bessere Futterverwertung als kastrierte Tiere, aber eine geringere als Eber
  • Eber hatten den höchsten Schlachtkörperwert, gefolgt von Immunokastraten und Kastraten, überwiegend wegen höheren Schulteranteilen und höhrerem Magerfleischanteil im Teilstück Bauch. 
  • Gegenüber weiblichen Schweinen zeigen immunokastrierte Schweine etwas geringere Schinken- und Lachsgewichte, aber höhere Bauchanteile (mit geringerem Magerfleischanteil).
Im Vergleich zu Kastraten zeigen Immunokastraten zwar Vorteile bei Futterverwertung, täglichen Zunahmen und Schlachterlösen, jedoch müssen auch die Impfkosten von ca. 4€ pro Tier eingerechnet werden sowie der Pauschalabzug von 3 Cent / kg Schlachtgewicht, der von großen Schlachthäusern bei der Bewertung von Improvac-Kastraten abgezogen wird. Dadurch ergibt sich ein wirtschaftlicher Unterschied von -0,36€ pro Tier im Vergleich zur chirurgischen Kastration. Die Kosten für die chirurgische Kastration wurden darin noch nicht berücksichtigt.

Immunokastration als Alternative für chirurgisches Kastrieren?

Für das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein überzeugen damit die biologischen und ökonomischen Leistungen der Improvac-geimpften Tiere. Die Immunokastration würde zudem die Ferkelerzeuger aus der öffentlichen Diskussion um das Kastrationsverbot nehmen. Für einen breitflächigen Einsatz müssen die Improvac-Schweine jedoch uneingeschränkt abgenommen und wie weibliche Schweine oder Kastraten bezahlt werden, so das Fazit von Dr. Andreas Klingelhöfer vom Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein.
Quelle: Land&Forst

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